Meningokokken-Erkrankungen
(Merkblatt des RKI für Ärzte aktualisiert: Juni 2004, Erstveröffentlichung im Epidemiologischen Bulletin 11/1999)
Diagnostik

Meningokokken-Erkrankungen stellen meist schwere Krankheitsbilder dar, wobei insbesondere septische Verlaufsformen innerhalb von Stunden zum Tode führen können. Bei klinischem Verdacht ist daher eine schnell einsetzende Diagnostik und Therapie erforderlich.

Für die Labordiagnostik ist in erster Linie die Untersuchung von Liquor und Blut von Bedeutung. Bei einer stationären Aufnahme wegen des Verdachtes einer Meningokokken-Infektion sollte daher umgehend eine Liquorpunktion durchgeführt und eine Blutkultur angelegt werden. Aber auch Stanzbioptate, Aspirate und Skarifikationen aus Hauteffloreszenzen sind für eine Diagnostik geeignet. Rachenabstriche sollten bei antherapierten Patienten entnommen werden. Das Rachenisolat liefert bei negativer Kultur, aber positiver PCR sowie bei begonnener Penicillintherapie wichtige Hinweise auf den krankheitsauslösenden Stamm. Bei Verdacht auf eine Meningokokken-Erkrankung sind der mikroskopische Nachweis des Erregers (gefärbter Ausstrich) in Liquor, Hauteffloreszenzen und die kulturelle Anzucht des Erregers aus Liquor, Blutkulturen und aus Hauteffloreszenzen vordringlich anzuwendende Untersuchungsverfahren. Zusätzlich kann ein Antigennachweis im Nativliquor, Serum und Urin z. B. durch Latexagglutination durchgeführt werden. Diese Methoden besitzen jedoch eine eingeschränkte Aussagekraft.

Weiterhin kann bei negativer Anzucht eine Polymerase-Kettenreaktion (PCR) zum Nachweis der Meningokokken-DNA im Liquor und im Blut (vorzugsweise EDTA-Blut) veranlasst werden. Sie besitzt eine hohe Sensitivität und Spezifität. Mit dieser Methode lassen sich auch Serogruppe und Serotypen des Erregers bestimmen. Diese Untersuchung ist jedoch Speziallaboratorien vorbehalten (in Deutschland z. B. im Nationalen Referenzzentrum für Meningokokken). Der Nachweis von Antikörpern gegen Kapselpolysaccharide oder äußere Membranproteine im Serum ist für die Akutdiagnostik ungeeignet, jedoch zur Kontrolle des Impfstatus bei Immunsupprimierten einsetzbar.

Zur Feintypisierung sollte jedes Isolat oder – falls eine Anzüchtung erfolglos blieb – Nativmaterial an das Nationale Referenzzentrum geschickt werden (Hinweise zum Transport s. unter http://www.meningococcus.de).

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© Robert Koch - Institut

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