Pest
Steckbrief des RKI

Schutzanzug Pestarzt Marseille, Kupferstich 1725

 

Erreger: Yersinia pestis (gramnegatives, bekapseltes, nichtsporenbildendes Stäbchen, Familie der Enterobacteriaceae)
Verbreitung: derzeit Naturherde in Asien (Zentral- und SO-Asien, Indonesien), Afrika (Zentral- und Südafrika, Madagaskar) und Amerika (SW der USA, Mexiko, Zentral- und Südamerika)
Infektionsweg: Übertragung durch Stich eines kontaminierten Rattenflohs, Xenopsylla cheopsis (Nager–Mensch), in Südamerika auch über Menschenflöhe (Mensch–Mensch). Ebenso ist eine aerogene Übertragung des Erregers bei Lungenpestfällen möglich. Auch bei direktem Kontakt mit befallenen Nagern kann es zu einer Krankheitsübertragung kommen. Hausratten, aber auch Haustiere (Katzen), können die befallenen Rattenflöhe aus dem sylvatischen, enzoonotischen Zyklus in menschliche Siedlungen importieren.
Dauer der Inkubation: 2 bis 6 Tage, bei Lungenpest wenige Stunden
Symptomatik: Bisweilen kann ein Primäraffekt (kleine Pustel) an der Eintrittsstelle beobachtet werden. Das eigentliche Krankheitsbild beginnt akut mit hohem Fieber, Schüttelfrost, Schwindelgefühl, Kopf- und Gliederschmerzen (Exotoxinwirkung). Es besteht ein schweres Krankheitsgefühl. Innerhalb von 1­2 Tagen entsteht eine stark schmerzhafte, häufig bläulich livide verfärbte Schwellung einer Lymphknotengruppe. Diese Primärbeule (-bubo) ist bei Erwachsenen meist in der Leiste lokalisiert, bei Kindern können auch andere Regionen betroffen sein (die Flohstichstelle ist aufgrund der limitierten Sprunghöhe des Flohs meist am Bein lokalisiert). In seltenen Fällen kommt es zu einer spontanen Eröffnung der Beule mit Drainage nach außen, dies ist mit einer günstigeren Prognose verbunden. Normalerweise schreitet die Erkrankung rasch fort. Gegen Ende der ersten Krankheitswoche werden weitere Lymphknotengruppen und im Rahmen der Generalisierung sekundär auch verschiedene Organe, insbesondere die Lunge, befallen. Unbehandelt liegt die Letalität der Bubonenpest bei ca. 30­40%.

Der Kontagiositätsindex der zur primären Lungenpest führenden aerogenen Infektion ist sehr hoch. Bei nahezu allen nichtimmunen Kontaktpersonen kommt es innerhalb von 1–2 Tagen zur Pestpneumonie mit blutig-eitrigem Auswurf. Unter dem Bild einer foudroyanten Bronchopneumonie versterben die Patienten innerhalb einer Woche. Eine Pestsepsis kann sowohl aus einer Bubonenpest als auch Lungenpest entstehen. Diese führt innerhalb von 1­2 Tagen immer zum Tode.

Therapie: Tetracyclin, Streptomycin, Chloramphenicol
Differentialdiagnose: Tularämie, Katzenkratzkrankheit, Granuloma venerum, Typhus abdominalis
Prophylaxe, Immunität: Die Pest ist eine der vier international vorgeschriebenen Quarantänekrankheiten. Expositionsprophylaxe, Schutzkleidung, Chemoprophylaxe bei möglichem Kontakt (mit Tetracyclin). Beseitigung des Reservoirs durch Vernichtung der Flöhe und anschließender Bekämpfung der Nager. Eine Schutzimpfung mit einem Totimpfstoff ist möglich, die Schutzrate hierbei ist allerdings niedrig. Nach durchgemachter Infektion besteht eine langanhaltende Immunität, es wurden jedoch schon Reinfektionen beschrieben.
Gesetzliche Regelungen: Eine Meldepflicht besteht bei Verdacht, Erkrankung und Tod (§ 6 Abs. 1 Nr. 1 l) IfSG) sowie bei Erregernachweis (§ 7 Abs. 1 Nr.46 IfSG). Bei Lungenpesterkrankung oder -verdacht besteht Quarantänepflicht (§ 30 Abs. 1 Satz 1 IfSG). Weitermeldung an die WHO nach § 12 Abs. 1 IfSG
Diagnostik: Nachweis des Erregers aus dem Blut, dem Buboneneiter oder Sputum mittels Mikroskopie (Methylenblau-, Giemsafärbung) oder Anzucht. Serologische Methoden sind im Akutfall ohne Bedeutung.

© Robert Koch Institut

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