Tuberkulose in Bayern 1999

"Die Schwindsucht"

Die Tuberkulose gehört zu den übertragbaren Krankheiten, für die nach dem Gesetz zur Verhütung und Bekämpfung übertragbarer Krankheiten beim Menschen (Bundes-Seuchengesetz) eine Meldepflicht besteht. Gemäß den Vorgaben des Bundes-Seuchengesetzes müssen die behandelnden Ärzte die Gesundheitsämter über jede Erkrankung und jeden Sterbefall an Tuberkulose benachrichtigen. Anhand dieser Information werden dann von den Gesundheitsämtern die für die Statistik erforderlichen Auskünfte erteilt. Diese sind bei der Tuberkulose – historisch bedingt – umfangreicher als bei den übrigen nach dem Bundes-Seuchengesetz meldepflichtigen Krankheiten, wie z. B. der Salmonellose oder der Virushepatitis.

Zugänge (Inzidenz)

Der langjährige Abwärtstrend bei der Tuberkulose setzte sich in Bayern auch im Jahr 1999 fort. Bei den Gesundheitsämtern wurden nur mehr 1 443 Erkrankungen an Tuberkulose registriert, nach 1 612 Erkrankungen im Jahr 1998. Das bedeutet ein Minus von 10%. Dementsprechend entwickelte sich auch die Inzidenz, d. h. die Zahl der Erkrankungen in Relation zur Bevölkerung. Sie ging von 13 Fällen je 100 000 Einwohner im Jahr 1998 auf 12 Fälle im Jahr 1999 zurück. Damit wurde sowohl bei der Absolutzahl als auch bei der Inzidenz der bisher niedrigste Wert verzeichnet. Welche Fortschritte bei der Bekämpfung der Tuberkulose in der Vergangenheit erzielt wurden, zeigt ein Rückblick. 1970 erkrankten 98 von 100 000 Einwohnern und 1990 immerhin noch 23. Bei 1 249 oder 87% der Menschen, die sich im Betrachtungszeitraum eine Tuberkulose zugezogen hatten, handelt es sich um eine erstmalige Erkrankung. Von den 194 Menschen, die nach einer früheren Infektion wiedererkrankten, befand sich allerdings der größte Teil, nämlich 169 oder 87%, in ärztlicher Überwachung.

Diagnose

Bei den Erkrankungen an Tuberkulose wird zunächst unterschieden nach der Tuberkulose der Atmungsorgane und der Tuberkulose der anderen Organe, wobei diese beiden Hauptgruppen noch tiefer differenziert werden. Die größere Rolle spielten erneut die Atmungsorgane, denn dort setzten sich die Erreger in knapp neun von zehn Fällen fest. Die Zahl der Erkrankungen an der sogenannten Lungentuberkulose belief sich auf 1 247, nach 1 402 im Jahr zuvor. Daraus errechnet sich ein Rückgang um 11%. Er fiel somit noch etwas höher aus als bei der Tuberkulose insgesamt. Auf je 100 000 Einwohner entfielen nur mehr 10 Erkrankungen zum Vorjahr. Wichtig ist die weitere Untergliederung nach der Möglichkeit eines Bakteriennachweises. Wegen der erhöhten Ansteckungsgefahr kommt den Fällen, bei denen Bakterien nachgewiesen werden, eine besondere Bedeutung zu. Im Jahr 1999 wurden 801 derartige Erkrankungen festgestellt. Nach dem kurzfristigen Anstieg im Jahr 1994 setzte sich auch hier wieder der langjährige Abwärtstrend fort. Die Abnahme gegenüber dem Vorjahr betrug 11%. 421 mal wurde der Bakteriennachweis direkt anhand des Sputumausstrichs und 380 mal mit sonstigen Methoden in sonstigem Material durchgeführt. Die Inzidenz der Tuberkulose der Atmungsorgane mit Bakteriennachweis blieb konstant bei 7 Fällen je     100 000 Einwohner.

Die Erkrankungshäufigkeit der Tuberkulose der Atmungsorgane mit Bakteriennachweis verändert sich nicht, wenn die sogenannten Diagnoseübergänge miteinbezogen werden. Darunter sind diejenigen Fälle zu verstehen, bei denen bereits ein Tuberkulose der Atmungsorgane ohne Bakteriennachweis oder eine Tuberkulose der anderen Organe gegeben war, bei denen aber im Berichtszeitraum eine entsprechende Änderung des Krankheitsbildes erfolgte. Die Inzidenz beträgt in der erweiterten Form ebenfalls 7 Fälle je 100 000 Einwohner. Das Vorjahrsniveau von 8 Fällen wurde damit unterschritten.

Bei 446 Menschen wurde im Jahr 1999 eine Tuberkulose der Atmungsorgane diagnostiziert, ohne daß Bakterien nachgewiesen werden konnten. Im Vergleich zum Vorjahr verringerte sich deren Zahl um 11%, also genau so stark als bei der Lungentuberkulose mit Bakteriennachweis. In 48 Fällen handelte es sich dabei um eine Primärtuberkulose und in 64 Fällen um eine Pleuritis tuberculosa. Bei 334 Fällen lag eine postprimäre Tuberkulose vor. Für die beiden erstgenannten Formen wurde – wie im Vorjahr – eine Inzidenz von jeweils weniger als einem Fall, für die letztgenannte Form eine solche von 3 Fällen je 100 000 Einwohner ermittelt. Bei der postprimären Tuberkulose blieb die Inzidenz ebenfalls konstant. Für die Tuberkulose der Atmungsorgane ohne Bakteriennachweis insgesamt errechnet sich eine Erkrankungshäufigkeit von 4 Fällen je 100 000 Einwohner, womit der Stand des Vorjahres gehalten wurde.

Nicht nur die Atmungsorgane, sondern auch die anderen Organe sind – allerdings in deutlich geringerem Umfang – von der Tuberkulose betroffen. 1999 wurden 196 Erkrankungen an Tuberkulose der anderen Organe gemeldet, d. h. 14% aller Erkrankungen entfielen in die zweite Hauptgruppe. Dabei wurde die Tuberkulose mit 82 Erkrankungen am häufigsten in den peripheren Lymphknoten diagnostiziert, gefolgt vom Urogenitaltrakt mit 55 Erkrankungen sowie den Knochen und Gelenken mit 24 Erkrankungen. Die Meningen waren nicht so häufig befallen (4 Erkrankungen). Bei den übrigen 31 Erkrankungen lag der Sitz in den bisher nicht genannten Organen. Gegenüber 1998 hat sich die Fallzahl zwar um 7% verringert, die auf

100 000 Einwohner bezogene Inzidenz blieb jedoch – wie in den neun vorangegangenen Jahren – unverändert bei 2 Fällen.

Quelle: Bayerisches Landesamt für Statistik und Datenverarbeitung

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