Tuberkulosesituation in Deutschland 1996

Aufklärung 1935

Zur gegenwärtigen Struktur der Tuberkulosemorbidität in Deutschland

Erste Ergebnisse einer Studie des DZK

Daten zur Gesamthäufigkeit der Tuberkulose im Jahr 1996 in Deutschland werden vom Statistischen Bundesamt erarbeitet und liegen noch nicht vor. 1995 wurden 12.198 Erkrankungen registriert, wesentliche Änderungen sind 1996 nicht zu erwarten. Nachfolgend berichten wir zusammenfassend über erste Ergebnisse einer Pilotstudie, die das Deutsche Zentralkomitee zur Bekämpfung der Tuberkulose (DZK) – gefördert vom Bundesministerium für Gesundheit – zur Epidemiologie der Tuberkulose durchführt. Im Rahmen dieser Studie werden bei einem Teil der Erkrankungsfälle klinische, mikrobiologische, epidemiologische und soziodemographische Daten dokumentiert, deren Analyse dringend benötigte Angaben zur genaueren Einschätzung der Situation und zu Trends in Deutschland liefert. Die Verteilung wichtiger Merkmale wurde in einer Pilotstudie zunächst auf der Basis von 4.530 Erkrankungsfällen untersucht, die im Jahr 1996 in 250 Gesundheitsämtern statistisch erfasst und bis Februar 1997 ausgewertet wurden:

Alter und Geschlecht:

Von den untersuchten Erkrankten waren 4,7 % in einem Alter unter 15 Jahren, 67,4 % im Erwachsenenalter bis zu 65 Jahren, 27,9 % älter als 65 Jahre; 61,3 % waren männlichen und 38,0 % weiblichen Geschlechts (0,7 % fehlende Angaben). Die ermittelte Alters- und Geschlechtsverteilung entspricht damit den Angaben in der Bundesstatistik für das Jahr 1995.

Aspekte der Herkunft:

Zur Untersuchung der Besonderheiten der Tuberkulosemorbidität bei Deutschen und Ausländern wurde eine Einteilung nach dem Geburtsland bzw. der Geburtsregion vorgenommen, die sich in diesem Zusammenhang bewährt hat. 66,3 % der Erkrankten waren in Deutschland, 29,3 % außerhalb Deutschlands, 4,4 % an unbekanntem Ort (aber mit deutscher Staatsangehörigkeit) geboren. Die deutsche Staatsangehörigkeit besaßen 73,6 %.

Geburtsländer außerhalb Deutschlands

Die Geburtsländer außerhalb Deutschlands hatten folgende Anteile an den Erkrankungen insgesamt:

Rund 41 % der Erkrankten ausländischer Herkunft waren weniger als ein Jahr in Deutschland, 32 % zwischen einem und fünf Jahren, d. h. insgesamt rund 73 % bis zu 5 Jahren. Im Vergleich zur Altersverteilung der erkrankten Einheimischen waren bei den Einwanderern überdurchschnittlich hohe Anteile erkrankter Kinder (9 % gegenüber 4 % bei Deutschen) und jüngerer Erwachsener (< 40 Jahre; 42 – 77 % gegenüber 22 % bei Deutschen) zu beobachten. Bei in Deutschland geborenen Personen war der Anteil erkrankter älterer Personen (> 65 Jahre) mit rund 37 % am höchsten.

Lebensunterhalt und Wohnsituation als Indikatoren für die soziale Situation:

Die bekannte Abhängigkeit der Tuberkulose von sozialen Faktoren konnte am Beispiel der Empfänger von Arbeitslosengeld und Sozialhilfe erneut verdeutlicht werden. Unter den Tuberkulosekranken erhielten 5,5 % Arbeitslosengeld/-hilfe (gegenüber einem durch Mikrozensus im April 1995 ermittelten Anteil von 3,2 % der Gesamtbevölkerung). Bei den Sozialhilfeempfängern steht einem Anteil der Tuberkulosekranken von 8,9 % ein Bevölkerungsanteil von 2 % gegenüber. Unter den erkrankten Einwanderern aus Ex-Jugoslawien und den Staaten der GUS war der Anteil der Sozialhilfeempfänger besonders hoch (23 – 30 %). Nach dem Asylbewerberleistungsgesetz wurden 7,8 % aller Erkrankten versorgt. Bei den Einwanderern aus Ex-Jugoslawien waren es rund 37 %, bei Herkunft aus Asien, Afrika oder Amerika 39 %. – 2,4 % der erkrankten Deutschen waren ohne festen Wohnsitz, 3,8 % wohnten in einem Alten- oder Pflegeheim, 90 % in einer Wohnung. In Gemeinschaftsunterkünften wohnten 45 % der aus Ex-Jugoslawien stammenden Personen, 40 % der aus Ländern Asiens, Afrikas oder Amerikas Stammenden und 37 % der Einwanderer aus der GUS.

Anlässe der Diagnosestellung waren:

Damit stehen etwa 79 % passiv ermittelte Erkrankungsfälle 18 % aktiv ermittelten Fällen gegenüber. Bei Einwanderern (außer GUS und Türkei) ist der Anteil aktiv ermittelter Erkrankungsfälle teilweise erheblich höher (z. B. Ex-Jugoslawien 34 %, Asien, Afrika, Amerika 29 %). Unter den in Deutschland geborenen Personen waren Methoden der aktiven Fallfindung bei Sozialhilfeempfängern überdurchschnittlich effektiv, z. B. wurden hier 14,6 % der Erkrankungen durch Umgebungsuntersuchungen ermittelt (bei allen in Deutschland Geborenen 7,2 %).

Organmanifestation der Tuberkuloseerkrankungen:

Die in der Studie ermittelten Organmanifestationen entsprechen damit den Angaben in der Bundesstatistik für 1995.

Quelle: Zwischenbericht der Studie zur Epidemiologie der Tuberkulose des Deutschen Zentralkomitees zur Bekämpfung der Tuberkulose (DZK), Projektleiter: Dr. M. Forßbohm, Gesundheitsamt Wiesbaden. Eine ausführlichere Darstellung der Studienergebnisse wird im 23. Informationsbericht des DZK und in der Zeitschrift ›Pneumonologie‹ veröffentlicht. Anfragen können direkt an Herrn Dr. Forßbohm, Gesundheitsamt, Postfach 3920, 65029 Wiesbaden, oder auch an das Generalsekretariat des DZK, Herrn Prof. Dr. Loddenkemper, Lungenklinik Berlin-Heckeshorn, Am Heckeshorn 33, 14109 Berlin, gerichtet werden.

Fundstelle: Epidemiologisches Bulletin 23/97 des RKI

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