Tuberkulose in Deutschland 1997

Röntgenreihenuntersuchung 1952

Der rückläufige Trend muß sich fortsetzen

Die Tuberkulose ist in Deutschland mit etwa 1 000 Sterbefällen jährlich nach den Virushepatitiden vom Typ B und C sowie AIDS die vierthäufigste infektionsbedingte Todesursache. Bei über drei Millionen gemeldeter Tuberkulose-Erkrankungen weltweit und 1,7 Milliarden akut oder chronisch Infizierter, von denen allein 95 Prozent in Entwicklungsländern leben, wird die Situation in Deutschland in erster Linie durch eine vermehrte Zuwanderung von Menschen aus Infektionsgebieten und dem zunehmenden internationalen Reiseverkehr bestimmt. Die Aktivierung der Tuberkulose durch HIV/AIDS, die Herausbildung multiresistenter Tuberkulose-Stämme sowie nicht zuletzt auch die Gefahr, daß die Krankheit innerhalb sozialer Randgruppen, wie beispielsweise bei Obdachlosen, weiter fußfaßt, können die Ausbreitung der Tuberkulose in Deutschland darüber hinaus ungünstig beeinflussen.Seit dem zweiten Weltkrieg, in dessen Verlauf es zu einer massiven Erhöhung der Morbidität gekommen war, verringerte sich die Erkrankungsrate kontinuierlich. Wurden im Jahr 1950 in Deutschland noch 325 Erkrankungen an Tuberkulose pro 100 000 Einwohner erfaßt (etwa 500 pro 100 000 in der DDR und 260 im damaligen Bundesgebiet), so lag die Morbidität im Jahr 1964 erstmals wieder unter 100 Erkrankungen pro 100 000 Einwohner. Seit 1990 werden jährlich weniger als 20 Erkrankungsfälle - 1995 nur noch 15 Fälle pro 100 000 Einwohner registriert. Der langjährige rückläufige Trend läßt sich in gleichem Maße für die Tuberkulose-Erkrankungen der Atmungs- und der übrigen Organe beobachten.

Eine differenzierte Betrachtung der an Tuberkulose Erkrankten zeigt, daß sich in den zurückliegenden Jahren für die deutsche Wohnbevölkerung die Erkrankungszahlen stetig verminderten. Die zwischenzeitlich sehr geringe Zunahme der in Deutschland registrierten Erkrankungsfälle in den Jahren 1992/93 beruht ausschließlich auf einem Anstieg der Fälle bei Ausländern. Ihr Anteil an der Gesamtzahl der Tuberkulosen erhöhte sich von 20 Prozent im Jahr 1989 auf immerhin etwa 30 Prozent in den Jahren 1994/95. Bei den Erkrankungen der jüngeren Altersgruppen, insbesondere von Kindern und jungen Erwachsenen, sind ausländische Bürger überproportional betroffen. Bei den unter Dreißigjährigen machten die Erkrankungen bei Ausländern 1995 über 60 Prozent aller Fälle aus. Bei deutschen Tuberkulose-Patienten handelt es sich demgegenüber vorwiegend um ältere Menschen, die häufig in jungen Jahren infiziert wurden und bei denen sich die Tuberkulose im Alter reaktiviert hat.

Wichtige Risikogruppen stellen dementsprechend nach Deutschland einreisende Asylbewerber und Kriegsflüchtlinge, aber auch Aussiedler aus Ländern mit einer hohen Erkrankungshäufigkeit an Tuberkulose dar. Außerdem erkranken sozial schlecht gestellte Gruppen, zum Beispiel Arbeitslose und Sozialhilfeempfänger überdurchschnittlich häufig an Tuberkulose. Individuell besonders gefährdet sind in Deutschland weiterhin Obdachlose, Alkohol- und Drogenabhängige, Strafgefangene, HIV-Infizierte, aber besonders auch ältere Patienten, die durch andere schwere Grundkrankheiten geschwächt sind. Bisher ist in Deutschland eine erfolgreiche Therapie der Tuberkulose in aller Regel möglich, obwohl es auch hier Mykobakterien gibt, die gegen eines oder mehrere Antibiotika resistent sind. Das ist zum einen durch das Einschleppen dieser Stämme aus anderen Ländern bedingt, zum anderen aber auch auf abgebrochene beziehungsweise nicht in ausreichender Dosierung durchgeführte Behandlungen zurückzuführen. Die kontrollierte Chemotherapie(DOT - directly observed treatment) - das heißt die Einnahme der notwendigen Medikamente auch bei ambulanter Behandlung unter direkter Aufsicht des betreuenden Personals - gewinnt deshalb auch in Deutschland an Bedeutung, vor allem bei bestimmten Risikogruppen.

Obwohl die Tuberkulose in Deutschland im Verlauf der letzten Jahrzehnte bereits deutlich seltener geworden ist, muß es auch bei einem durch Reisen und Migration gestiegenen Infektionsrisiko möglich sein, die Morbidität und Mortalität weiter zu senken, zumal es sich bei der Tuberkulose um eine therapierbare und weitgehend verhütbare Krankheit handelt.

© Robert Koch - Institut 1997

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