Tuberkulosesituation in Deutschland 1999

Aufklärung 1935

  Quelle: Epidemiologisches Bulletin Nr.50/2000 des RKI

Die Zahl der gemeldeten Neuerkrankungen an aktiver Tuberkulose betrug 1999 in Deutschland 9.974 (1998: 10.440; 1997: 11.163). Das entspricht einer Inzidenz von 12,1 Erkrankungen pro 100.000 Einwohner (1998: 12,7 Erkrankungen pro 100.000 Einwohner). Damit hat sich die leicht rückläufige Tendenz bei den Gesamterkrankungen weiter fortgesetzt. Allerdings betrifft die rückläufige Entwicklung nur die autochthone Bevölkerung, der Anteil von Erkrankungen bei Bürgern ausländischer Herkunft ist –wenn auch nur leicht –angestiegen (1999: 33,1 %; 1998: 31,5 %).

Klinische Manifestationen:

Eine Tuberkulose der Atmungsorgane lag bei 83,2 % der Erkrankten vor, 16,8 % der Patienten wiesen eine Tuberkulose anderer Organe auf. Bei den Tuberkulose-Erkrankungen anderer Organe standen die Tuberkulose der peripheren Lymphknoten (47,3 %) und die Tuberkulose des Urogenitaltraktes (23,9 %) im Vordergrund. Eine Tuberkulose anderer Organe, z. B. der Knochen und Gelenke (9,7 %) und der Meningen (3,1 %), wurde wesentlich seltener diagnostiziert. Bei 57,5 % der an Tuberkulose der Atmungsorgane Erkrankten wurde die Diagnose durch den Nachweis von Tuberkulosebakterien gesichert.

Inzidenz in den Bundesländern:

Die für die einzelnen Bundesländer ermittelten Inzidenzraten lagen zwischen 19,1 Erkrankungen pro 100.000 Einwohner in Hamburg (1998: 16,8)und 5,6 in Niedersachsen (1998: 9,9).Zu den Bundesländern mit relativ hohen Inzidenzraten zählten neben Hamburg Hessen mit 15,8 (1998: 15,6), Berlin mit 14,4 (1998: 15,4) und Bremen mit 14,4 (1998: 13,0). Länder mit niedrigen Inzidenzraten waren neben Niedersachsen auch Thüringen mit 8,1 (1998: 10,8), Schleswig-Holstein mit 8,7 (1998: 9,4)und Brandenburg mit 9,0 (1998: 10,3). In allen Bundesländern war die Inzidenz geringer als im Vorjahr (1998

Resistenz der Erreger:

Von wesentlicher Bedeutung ist die Resistenz der Erreger gegen die eingesetzten Chemotherapeutika, speziell die Multiresistenz der Erreger (definiert als Resistenz gegen Isoniazid und Rifampizin). Die in den letzten Jahren beobachtete Tendenz der Zunahme resistenter Stämme hat sich im Jahr 1999 nicht fortgesetzt. Nach den Daten des Nationalen Referenzzentrums für Mykobakterien in Borstel kam es 1999 im Vergleich zu 1998 zu einer Stabilisierung des Anteils multiresistenter Stämme, allerdings auf einem gegenüber den Vorjahren erhöhten Niveau (1998: 4,8 %;1999: 4,4 %). Bei der Interpretation dieser Werte ist zu berücksichtigen, dass sie auf einer selektionierten Stichprobe (Untersuchungsmaterial von Patienten mit Therapieproblemen) beruhen, und daher höher liegen als Werte, die für die Gesamtsituation in der Bundesrepublik repräsentativ wären.

Risikogruppen:

Die Tuberkulose tritt gegenwärtig zu einem sehr großen Teil in sozial benachteiligten Gruppen auf. Asylbewerber, Aussiedler, Obdachlose, Sozialhilfeempfänger, Gefängnisinsassen erkranken häufiger als andere Teile der Bevölkerung, bei ihnen wird die Erkrankung oft auch erst in einem späteren, ansteckenderen Stadium festgestellt. Durch die längeren Phasen der Erregerausscheidung besteht ein höheres Infektionsrisiko für Kontaktpersonen, das durch die oft beengten Wohnverhältnisse in diesen Gruppen noch verstärkt wird. Aufmerksamkeit erfordert auch, dass Drogenabhängige und HIV-Infizierte ebenfalls häufiger an Tuberkulose erkranken. Die rasche Entdeckung erkrankter und infektiöser Personen, die den genannten Risikogruppen angehören, sowie eine schnell einsetzende effiziente Therapie sind daher wesentlich für eine effektive Tuberkulosebekämpfung.

Die hier kurz vorgestellten kumulativen Daten der Bundesstatistik gestatten keine detaillierten Aussagen zur Verbreitung der Tuberkulose in bestimmten Bevölkerungsgruppen und zu sozialen Determinanten. Diese Daten zur Struktur der Tuberkulose-Morbidität im Jahr 1999,die in einer vom Bundesministerium für Gesundheit geförderten Studie des Deutschen Zentralkomitees zur Bekämpfung der Tuberkulose (DZK) erarbeitet wurden, werden nach Abschluss der laufenden Auswertung in Kürze publiziert.

Zur globalen Situation:

Weltweit sind die Zahlen der Neuerkrankungen und Sterbefälle an Tuberkulose trotz umfassender Gegenmaßnahmen bisher nicht zurückgegangen und haben teilweise sogar noch zugenommen. Die wichtigste Maßnahme in den stark betroffenen Ländern ist DOTS (Directly Observed Treatment Shortcourse), die kontrollierte kombinierte Therapie. Nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) erkranken weiterhin jährlich über acht Millionen Menschen neu an Tuberkulose. Die Zahl der Erkrankungen hängt dabei stark von den Lebensbedingungen ab. Mehr als 90 % der Erkrankungen treten in Entwicklungsländern auf, etwa zwei bis drei Millionen Menschen sterben dort jährlich an Tuberkulose. Auch in vielen Teilen Osteuropas und in den GUS-Staaten ist die Lage weiterhin sehr kritisch (zwei Drittel der Tuberkulose-Erkrankungen in Europa entfallen auf das Gebiet der ehemaligen Sowjetunion); aufgrund der geographischen Nähe und der Migration ergibt sich hieraus eine besondere Relevanz für Deutschland.

Quellen:

Statistik zu meldepflichtigen Krankheiten des Statistischen Bundesamtes, Wiesbaden

Jahresbericht 1999 des NRZ für Mykobakterien, Borstel.

WHO Report 2000: Global Tuberculosis Control.

Informationen zur Wiederzulassung in Schulen und Kindergärten nach Infektionen !

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