Tuberkulose
(Ratgeber des RKI - Aktualisiert März 2002 - Erstveröffentlichung März 2000)
Vorkommen

Röntgenreihenuntersuchung 1952

Die Tuberkulose ist weltweit verbreitet. Nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) erkrankten im Jahr 2000 8,4 Millionen Menschen neu an Tuberkulose. 80 % aller neuen Fälle treten in nur 23 Ländern auf. Es wird befürchtet, dass die Zahl der Tuberkulosefälle in den nächsten Jahren weltweit um durchschnittlich 3 % pro Jahr ansteigen wird, nur in den Industrienationen gehen die Neuerkrankungen zur Zeit um 2 –3 % pro Jahr zurück. Eine besonders große Bedeutung ergibt sich für die Entwicklungsländer; dort treten etwa 95% der Erkrankungen auf. Etwa zwei Millionen Menschen sterben jährlich an der Tuberkulose; diese Zahl erhöht sich durch tödliche Verläufe bei HIV-Patienten mit Tuberkulose-Koinfektion.

Besonders betroffen sind die afrikanischen Länder südlich der Sahara, der Süden und Osten Asiens, einige lateinamerikanische Staaten und zunehmend auch die Nachfolgestaaten der Sowjetunion. Begünstigend für die Ausbreitung der Tuberkulose wirken eine schlechte medizinische Versorgung, rasches Bevölkerungswachstum unter Bedingungen von Armut, Krieg und Migration. Damit ist Tuberkulose heute weltweit die häufigste zum Tode führende Infektionskrankheit bei Jugendlichen und Erwachsenen und die führende Todesursache bei HIV-Infizierten.

In Deutschland und vergleichbaren Industriestaaten kam es durch die allgemeine Verbesserung der Lebensumstände schon vor der Ära der Chemotherapie zu einem deutlichen Rückgang der Tuberkulose-Erkrankungen, der seit den 50er Jahren bis in die Gegenwart anhält. Im Jahr 2000 wurden in Deutschland 9.064 Neuerkrankungen an aktiver Tuberkulose gemeldet (11,0 Erkr. pro 100.000 Einw.; 1999: 9.974 Erkr., 12,1 Erkr. pro 100.000 Einw).

Einheimische aus sozial benachteiligten Gruppen der

Gesellschaft unterliegen einem höheren Tuberkulose-Infektions- und Erkrankungsrisiko. Besonders gefährdet sind generell enge Kontaktpersonen von an offener (d. h. infektiöser) Tuberkulose Erkrankten, Personen mit einer unzureichend behandelten früheren Tuberkulose sowie HIV-Infizierte und Patienten mit Krankheiten oder Behandlungen, die zu einer dauerhaften Schwächung des Immunsystems führen.

Der alarmierende Anstieg der Tuberkulose-Erkrankungen und des Anteils resistenter Erreger in den sog. Neuen Unabhängigen Staaten (NUS = GUS + baltische Staaten) ist aufgrund der geographischen Nähe und der Migration aus diesen Regionen auch für Deutschland bedeutsam.

Die primäre Infektion erfolgt in einem Land mit hoher Tuberkulose-Inzidenz meist im frühen Kindesalter. Dagegen verschiebt sie sich in Ländern mit niedriger Inzidenz und damit geringem Infektionsrisiko zunehmend in das Erwachsenenalter.

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© Robert Koch - Institut

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