Typhus abdominalis
(Merkblatt für Ärzte des RKI aktualisiert: März 2001, Erstveröffentlichung im Bundesgesundheitsblatt 03/1998)
Erreger, Übertragung und Epidemiologie

Die Erreger des Bauchtyphus und Paratyphus sind gramnegative, bewegliche Stäbchen, die zur Bakterienart Salmonella enterica gehören. Früher rechnete man sie gemäß dem Kaufmann-White-Schema jeweils zu einer eigenen Bakterienspezies, heute jedoch gelten sie lediglich als Serovare der Art S. enterica und werden als S. enterica Serovar Typhi oder in der Kurzfassung S. Typhi etc. bezeichnet.

Typhus- und Paratyphusbakterien sind ausschließlich humanpathogen und werden von Mensch zu Mensch übertragen, meist über kontaminiertes Wasser und Lebensmittel. Da der Mensch das hauptsächliche Reservoir darstellt, konnte durch Versorgung der Bevölkerung mit hygienisch einwandfreiem Trinkwasser sowie Überwachung und Kontrolle der Dauerausscheider (Verbot ihrer Tätigkeit in Lebensmittelbetrieben) die Gefahr von Typhus-/Paratyphusinfektionen stark vermindert werden. So sanken die Erkrankungszahlen von Typhus und Paratyphus von ca. 24/100 000 Einwohner im Jahr 1950 auf 0,3/100 000 Einwohner im Jahr 1995, die neu erfassten Dauerausscheider von Typhusbakterien von ca. 1000 im Jahr 1950 auf ca. 20 im Jahr 1995, was damit auch die endemische Ansteckung erheblich reduziert. Heute wird ein erheblicher Teil der gemeldeten Erkrankungen nur noch durch Reisen ins Ausland erworben bzw. betrifft nach Deutschland eingereiste Ausländer.

Für Typhus besteht eine allgemeine Empfänglichkeit in allen Altersgruppen der Bevölkerung. Nach überstandener Typhuserkrankung bildet sich aber eine belastbare Immunität aus, so dass Zweiterkrankungen im allgemeinen nicht beobachtet werden. Allerdings bleiben 2-5 % der Infizierten Dauerausscheider und können damit wieder zur Infektionsquelle werden.

Damit muss man der prophylaktischen Immunisierung als wichtiger persönlicher Schutzmaßnahme, z.B. bei Reisen in Epidemiegebiete, einen hohen Stellenwert einräumen, was auch letztlich die Einschleppung von Typhusbakterien vermindert.

Die in den letzten Jahren zunehmenden Zahlen von Typhusfällen im Zusammenhang mit Reisen nach Afrika, Südamerika und Südostasien korrelieren mit den dortigen hohen Inzidenzraten (in Afrika 200/100 000, in Südamerika 150/100 000 und in Südostasien 1000/100 000 Einwohner) und der zunehmenden Reiselust der Deutschen. Durch den hohen und oft unkontrollierten Einsatz von Antibiotika ist es zu einer erheblichen Resistenzentwicklung unter S. Typhi-Stämmen dieser Länder gekommen, was die Gefahr von Therapieversagen mit sich bringt.

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© Robert Koch - Institut

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