Typhus abdominalis
(Merkblatt für Ärzte des RKI aktualisiert: März 2001, Erstveröffentlichung im Bundesgesundheitsblatt 03/1998)
Krankheitsbild und Klinik

Die in den letzten Jahren zunehmenden Zahlen von Typhusfällen im Zusammenhang mit Reisen nach Afrika, Südamerika und Südostasien korrelieren mit den dortigen hohen Inzidenzraten (in Afrika 200/100 000, in Südamerika 150/100 000 und in Südostasien 1000/100 000 Einwohner) und der zunehmenden Reiselust der Deutschen. Durch den hohen und oft unkontrollierten Einsatz von Antibiotika ist es zu einer erheblichen Resistenzentwicklung unter S. Typhi-Stämmen dieser Länder gekommen, was die Gefahr von Therapieversagen mit sich bringt.

Typhus (Typhus abdominalis) und Paratyphus gehören zu den zyklischen, systemischen Infektionskrankheiten. Nach Aufnahme und Magenpassage adhärieren die Typhusbakterien an den Peyerschen Plaques und wandern dort in die M-Zellen bzw. Makrophagen ein. In diesen Zellen, die normalerweise Bakterien verdauen und Bruchstücke in die Immunkaskade speisen, können Typhus-Salmonellen sich vermehren. Dadurch entstehen entzündliche Prozesse (lokale Ulzerationen und Schwellungen der Peyerschen Plaques), die jedoch nur sehr selten bereits eine Diarrhoe verursachen. Das Auftreten von Leukozyten im Stuhl lässt sich bereits als erstes diagnostisches Zeichen verwenden; ein Keimnachweis zu diesem Zeitpunkt gelingt dagegen wesentlich seltener. Nach einer Inkubationszeit von 7-21 (14) Tagen treten verstärkt und remittierend Fieber (z.T. über 40°C), relative Bradykardie, Übelkeit, Erbrechen, Kopf- und Gliederschmerzen sowie Anorexie auf. Diese grippeähnlichen Beschwerden sind oft noch mit Husten, belegtem Hals, Kältegefühl, Konfusion, Lethargie und Schwächegefühl verbunden und verstärken dadurch eine klinische Fehleinschätzung. Erst wenn die Typhusbakterien die Peyerschen Plaques verlassen, sich systemisch ausbreiten (Blutkultur) und im Zuge der Organmanifestationen weitere für Typhus typische Beschwerden und klinische Anzeichen erzeugen (Roseolen der Haut, Leber- und Milzschwellung, bronchitische Geräusche), ist ein Erregernachweis im Blut, später im Stuhl möglich. Komplikationen wie Darmblutungen und -perforationen mit anschließender Peritonitis, Lungentyphus etc. können zum letalen Ausgang der Infektion führen. Bei nicht antibakteriell behandelten Patienten schließt sich nach einer Krankheitsphase von ca. 21 Tagen eine sehr lange Rekonvaleszenzperiode an (manchmal mit dem charakteristischen Haarausfall).

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© Robert Koch - Institut

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