Paratyphus
(Ratgeber des RKI Erstveröffentlichung im Epidemiologischen Bulletin 40/2000)
Maßnahmen für Patienten und Kontaktpersonen

An Typhus oder Paratyphus erkrankte Personen sollten antibiotisch und - in der Regel - in einem Krankenhaus behandelt werden (Ausnahmen: leichter Verlauf, gute Betreuung). Nach der Entlassung aus der stationären Behandlung bzw. nach dem Abschluss einer ambulanten Behandlung bleiben sie zunächst in der Überwachung durch das Gesundheitsamt, bis ein negatives Ergebnis von insgesamt 3 Stuhluntersuchungen vorliegt (erste Stuhlprobe frühestens 2 Tage nach Abschluss der antimikrobiellen Therapie, Mindestabstand der Proben 2 Tage). Eine Wiederzulassung zu Schulen und sonstigen Gemeinschaftseinrichtungen bzw. zu beruflicher Tätigkeit ist nach klinischer Genesung und Vorliegen von 3 negativen Befunden einer im Abstand von 1-2 Tagen durchgeführten Stuhluntersuchung möglich. Bei einer Tätigkeit in Lebensmittelbetrieben oder Gemeinschaftseinrichtungen erscheinen spätere Kontrolluntersuchungen zum Ausschluss einer langfristigen Ausscheidung sinnvoll.

Personen, die an Typhus oder Paratyphus erkrankt sind oder bei denen der Verdacht auf eine Erkrankung besteht, dürfen nicht in Lebensmittelbetrieben tätig sein. Das gilt auch für Personen, die zeitweilige Ausscheider bzw. Dauerausscheider von S. Typhi oder S. Paratyphi sind. Diese Personen dürfen gemäß § 42 Abs. 1 des Infektionsschutzgesetzes beim Herstellen, Behandeln, oder Inverkehrbringen bestimmter Lebensmittel (s. nachfolgende Aufstellung) nicht tätig sein, wenn sie mit den Lebensmittel in Berührung kommen. Das gilt auch für Beschäftigte in Küchen von Gaststätten und sonstigen Einrichtungen mit oder zur Gemeinschaftsverpflegung.
Lebensmittel gemäß § 42 des Infektionsschutzgesetzes sind:

Nach § 34 Abs. 1 Nr.12 des Infektionsschutzgesetzes dürfen Personen in Gemeinschaftseinrichtungen keine Lehr- oder Aufsichtstätigkeiten bzw. sonstige Tätigkeiten ausüben, bei denen sie Kontakt zu den dort Betreuten haben, bis nach ärztlichem Attest eine Weiterverbreitung der Krankheit nicht mehr zu befürchten ist. Ebenfalls gilt für die in Gemeinschaftseinrichtungen Betreuten, dass sie diese nicht besuchen dürfen, bis eine Weiterverbreitung der Erkrankung nicht mehr zu befürchten ist.

Bei Dauerausscheidern ist eine Belehrung über hygienische Verhaltensregeln und die Vermeidung von Infektionsrisiken erforderlich; eine Sanierung sollte angestrebt werden (ggf. in einer Einrichtung mit spezieller Erfahrung). Im Falle der beabsichtigten Aufnahme in ein Heim kann im Einverständnis mit der Einrichtung meist eine individuelle Regelung (sanitärhygienische Bedingungen, Verhaltensanforderungen) getroffen werden (z. B. eigene Toilette), die eine Zulassung zu der Gemeinschaftseinrichtung ermöglicht.

Eine wirksame postexpositionelle Prophylaxe ist nicht bekannt. Kontaktpersonen (im Zusammenhang mit Ausbrüchen bzw. der Rückkehr aus einem Epidemiegebiet, insbesondere wenn Kontakt mit Stuhl von an Typhus oder Paratyphus Erkrankten bestand) sollen für die Dauer der Inkubationszeit eine besonders gründliche Händehygiene einhalten (Waschen nach jedem Stuhlgang und vor Zubereitung von Speisen, Benutzung von Einmal-Papierhandtüchern und anschließendes Desinfizieren mit einem alkoholischen Händedesinfektionsmittel). Ein Ausschluss von Gemeinschaftseinrichtungen ist für Kontaktpersonen nicht erforderlich, solange keine typhusverdächtigen Symptome (Kopfschmerzen, Fieber) auftreten und wirksame Hygienemaßnahmen gewährleistet sind. Sonst ist ein Ausschluss bis zum Ende der Inkubationszeit und zum Vorliegen von 3 negativen Befunden der bakteriologischen Stuhluntersuchung (im Abstand von 1-2 Tagen durchgeführt) in Betracht zu ziehen.

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© Robert Koch - Institut

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