Pentachlorphenol (PCP)

Autor: Dr. Otto / DISU Osnabrück

Vorkommen

Bis zum Inkrafttreten der PCP-Verbotsverordnung in der BRD im Dezember 1989 wurden Pentachlorphenol und sein Natriumsalz als pestizid wirkende Bestandteile u. a. in Holzschutzmitteln zur großflächigen, später nur zur kleinflächigen Anwendung eingesetzt. Die Holzbehandlung in Innenräumen bewirkt noch nach Jahren PCP-Konzentrationen in der Innenluft in der Größenordnung von 1 - 10 µg/m3, die auch zu Sekundärkontaminationen führt. In geringerem Maße wurde PCP in der Textil-, Leder- , Papier- und Farbenindustrie verwendet. In Nahrungsmitteln (insbesondere Fisch) ist PCP ist als ubiquitärer Schadstoff in einigen µg/kg enthalten. Nicht mit Holzschutzmitteln belastete Personen nehmen täglich zwischen 1 und 10 ug PCP, belastete Personen etwa 40 - 60 µg auf (1,2). Technisches PCP ist meist durch wechselnde Mengen polychlorierter Dibenzodioxine und -furane verunreinigt. Abschätzungen haben ergeben, daß der Dioxineintrag in die Umwelt etwa 1,3 kg Toxizitätsäquivalente, bezogen auf eine PCP-Menge von 750 t im Jahre 1979, betragen haben muß. Bei Holzschutzmitteln ist zusätzlich die Schadstoffwirkung der Lösungsmittel zu berücksichtigen.

zurück zum Seitenanfang

 

Metabolismus / Toxikokinetik

PCP wird leicht durch die Haut, die Atemwege und den Gastrointestinaltrakt aufgenommen. Die Neigung zur Akkumulation ist gering. Im Zwischenstoffwechsel wirkt PCP als Entkoppler der oxidativen Phosphorylierung (Hyperthermie!). Die Ausscheidung erfolgt sowohl als freies PCP als auch konjugiert als Glukuronid. Dies ist bei der PCP-Analytik im Harn zu beachten. Das Verhältnis beider Ausscheidungsformen scheint belastungsabhängig zu sein. Das Ausmaß der PCP-Verstoffwechselung zu Tetrachlor-p-hydrochinon ist beim Menschen noch unklar. Bezüglich der Eliminationskinetik nach akuter Aufnahme liegen kontroverse Ergebnisse vor; sowohl eine monophasische als auch eine dosisabhängige biphasische Ausscheidungskinetik wurden beschrieben (6). Die renale PCP-Ausscheidung ist nach Untersuchungen von Uhl und Mitarb. (5) pH-abhängig und kann durch Gabe von Natriumhydrogenkarbonat gesteigert werden. Bei chronischer Aufnahme ist die Situation noch weniger einschätzbar. Größenordnungsmäßig liegt hier die biologische Halbwertszeit bei 1 - 3 Wochen. Diese geringe Eliminationsrate wird mit der starken Bindung des PCP an Serumproteine und/oder einer Neubildung aus Lindan erklärt.

zurück zum Seitenanfang

 

Grenzwerte

MAK- Liste: bis 1990: 0,5 mg/m3, ab 1990 als humankanzerogen verdächtiger Schadstoff (III A2) eingestuft (1).

zurück zum Seitenanfang

 

Umweltbelastung

Zur Abschätzung der chronischen PCP-Belastung kann eine PCP-Bestimmung im Hausstaub als allgemeiner Screening-Parameter herangezogen werden.

Umweltsurvey: die PCP-Konzentration im Hausstaub ist regional unterschiedlich (ländlich> städtisch) und abhängig vom Ausmaß der Holzverkleidung.
Im Durchschnitt liegt sie bei 0,6 - 0,9 µg PCP/g Staub.

zurück zum Seitenanfang

 

Klinische Referenzwerte

Umweltsurvey: PCP im Urin: Medianwerte bei 4,5 - 5,6 µg/l bzw. 2,7 - 4,3 µg PCP/g Kreatinin. (4).

Referenzwert : < 25 µg/l Serum
(vgl. (2)) < 10 µg/l Urin
< 10 µg/g Kreatinin

PCP-Serum- und PCP-Urinwerte (bezogen auf Kreatinin) zeigen eine gute Korrelation (r=0,92). PCP-Analysen im Urin erfordern eine vorherige Hydrolyse, um das PCP-Glukuronid zu spalten (2).

zurück zum Seitenanfang

 

Vergiftungsbild

Chronische Vergiftungen durch PCP-Inhalation (Bereich ca. 1 - 10 µg/m3) bedingen meist unspezifische Symptome wie Kopfschmerz, Schwindel, Mattigkeit, ohne daß biochemische, immunologische und hämatologische Parameter auffällig verändert sein müssen (7). Inhalativ aufgenommenes PCP findet sich bevorzugt in der Leber und in der Niere wieder; eine höhere Toxizität im Vergleich zu oral aufgenommenem PCP wird diskutiert. Eine Wirkung von PCP auf das periphere Nervensystem wird von einigen Autoren bezweifelt (3).

zurück zum Seitenanfang

 

Therapie

Sinnvoll ist eine sofortige Expositionsvermeidung. Da PCP im Körper nicht akkumuliert, nimmt die im Organismus vorhandene Menge schnell ab. Verschiedentlich wurde vorgeschlagen, durch Gabe von Hydrogenkarbonaten und erhöhte Flüssigkeitszufuhr eine vermehrte Ausscheidung des PCP zu erreichen. Eine antioxydative Therapie durch Gabe von Vitamin E, Vitamin C, Beta-Carotin und Selen sowie eine Ölkur sind in ihrer Wirksamkeit umstritten.

zurück zum Seitenanfang

 

Vorbeugende Maßnahmen

Entfernung der Emissionsquelle (z. B. Entfernung stark belasteter Holzteile). Aufgrund der hohen Flüchtigkeit von PCP ist an eine sekundäre Kontamination von im Raum befindlichen Textilien (Teppiche, Vorhänge) und Möbeln zu denken.

Versiegelung von PCP-kontaminierten Holzflächen, Abrasion der kontaminierten Oberfläche (etwa 2 - 4 mm). Für Innenraum-Hölzer sind Holzschutzmittel entbehrlich.

zurück zum Seitenanfang

 

Zusammenfassende Beurteilungen

In den vergangenen Jahren ist infolge des PCP-Verbots die Belastung der Umwelt und der Bevölkerung mit PCP zurückgegangen.

PCP zeigt im Tierversuch (Maus) eine eindeutig kanzerogene Wirkung und ist daher von der MAK-Kommission in die Kategorie III A2 eingestuft worden. PCP ist nur schwach gentoxisch (4).

Aus umweltmedizinischer Sicht ist die Holzschutzmittelproblematik in den Vordergrund gerückt. Das von vielen Betroffenen glaubhaft geschilderte chronische Erschöpfungs- und Ermüdungssyndrom bedarf (auch aufgrund der stattgehabten Mischexposition gegenüber einer Vielfalt von Holzschutzmittel-Inhaltsstoffen) einer weiteren wissenschaftlichen Abklärung (2).

zurück zum Seitenanfang

 

Literatur

1.) DFG: Occupational Toxicants, Vol. 3, Verlag Chemie, Weinheim, (1992) S. 261 - 270.

2.) Heinzow, B.: Organische Verbindungen/Pentachlorphenol. In: Handbuch der Umweltmedizin. (Hrsg. H.-E. Wichmann, H.-W. Schlipköter, G. Fülgraff), Ecomed-Verlag (1992), Landsberg.

3.) Triebig, G. et al. : Pentachlorophenol and the peripheral nervous system: a longitudinal study in exposed workers. Br. J. Ind. Med. 44 (1987) 638- 641.

4.) UBA/ BGA. WaBoLu-Hefte 5/1989: Umweltsurvey I - Studienbeschreibung und humanbiologisches Monitoring (1989) BGA Berlin.

5.) Uhl, S., Schmid, P., Schlatter, C.: Pharmacokinetics of pentachlorophenol in man. Arch. Toxicol. 58 (1986) 182-186.

6.) WHO. Environmental Health Criteria 71. Pentachlorophenol. Genf (1987) S. 15

7.) ibid., S. 166.

zurück zum Seitenanfang
zurück zur Übersicht PCP
zurück zur Übersicht der Holzschutzmittel

weiter zum Umweltlexikon

zurück zu Schadstoffe A - Z