Pressemitteilung
des Gesundheitsamtes Garmisch - Partenkirchen vom 12.02.2000

DDT – Information des Gesundheitsamtes

Anfragen besorgter Bürger in den letzten Tagen haben gezeigt, dass noch erheblicher Informationsbedarf zur DDT-Problematik besteht. Aus Platzgründen kann hier nur eine kurze Zusammenfassung des bisherigen Kenntnisstandes vorgestellt werden. Ausführlichere Informationen finden sich in der Homepage des Gesundheitsamtes Garmisch unter www.gesundheitsamt.de. Im Zeitraum von 1940 bis 1972 wurden schätzungsweise zwei Millionen Tonnen DDT in die Umwelt verbracht, vor allem zur Schädlingsbekämpfung in der Landwirtschaft aber auch zur Malariabekämpfung. Aufgrund der Langlebigkeit von DDT sowohl in der Umwelt wie in Böden als auch im tierischen und menschlichen Fettgewebe und der daraus resultierenden Anreicherung wurde seine Anwendung nach und nach in der Welt verboten, so 1972 in der Bundesrepublik. Bei der Langlebigkeit von DDT und seinen Abbauprodukten, vor allem DDE, ist verständlich, dass diese auch heute noch ubiquitär, also überall in der Biosphäre nachgewiesen werden. Mit Wirksamwerden der Verbote wurde erfreulicherweise ein kontinuierlicher Rückgang der DDT-Gehalte in Lebensmitteln, im Körperfett und damit auch in der Muttermilch festgestellt. So ging deren Belastung in den alten Ländern von 5,3 (1975) über 1,91 (1981), 0,980 (1984), 0,583 (1991) auf 0,367 mg/kg Milchfett (1994) zurück. Dementsprechend beträgt die Belastung unserer Säuglinge durch das Stillen heute weniger als ein Zehntel als vor 25 Jahren. Entscheidend für die Beurteilung der gesundheitlichen Gefährdung ist der von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) festgelegte ADI-Wert (acceptable daily intake). Die tägliche Aufnahme dieser Menge soll auch bei lebenslanger Zufuhr nicht zur Beeinträchtigung der Gesundheit führen. Dieser ADI-Wert beträgt für DDT 20 µg/kg Körpergewicht (KG) pro Tag. Hiernach können also lebenslang täglich 20 Millionstel Gramm DDT pro kg Körpergewicht ohne Schaden aufgenommen werden. Von den drei möglichen Aufnahmepfaden über Mund, Atmung und Haut ist die Ernährung mit DDT-belasteten Lebensmitteln der entscheidende. Deshalb gibt es hierfür zugelassene Höchstmengen. Beim Stillen lag die Aufnahme 1975 mit 26,5 µg/kg KG noch über dem allerdings erst 1984 festgelegten ADI-Wert, 1994 nur noch bei 1,8 µg/kg KG. Das Umweltbundesamt hat für belasteten Hausstaub mit 100 mg DDT/kg Staub eine mögliche tägliche DDT-Aufnahme eines am Boden spielenden Kindes durch Hand-Mund-Kontakt von 1 µg/kg KG errechnet, also ein Zwanzigstel des zulässigen ADI-Wertes. Unterstellt man eine sonstige DDT-Aufnahme durch alle anderen Belastungen, d.h. natürlich hauptsächlich über DDT-haltige Lebensmittel, von beispielsweise 10 µg/kg KG so wären auch noch Staubgehalte bis 1000 mg/kg Staub ungefährlich. Hinzu kommt, dass dieser Belastungspfad über die Aufnahme von Hausstaub durch Spielen am Boden nur wenige Jahre und nicht das ganze Leben dauert. Diese Berechnungen sollen aber keinesfalls der Ableitung oder Rechtfertigung eines theoretisch möglichen hohen Grenzwertes von 1000 mg DDT/kg Hausstaub dienen, sondern ganz gezielt betroffene Eltern davon überzeugen, dass sie sich um eine Gesundheitsgefährdung ihrer Kinder durch DDT-haltigen Hausstaub keine Sorgen machen müssen. Selbstverständlich steht das Gesundheitsamt aus Gründen des vorbeugenden Gesundheitsschutzes hinter allen Maßnahmen einer Schadstoffminimierung. Was nun die Belastung von Kindern und Erwachsenen durch DDT-haltige Raumluft angeht, so hat das Umweltbundesamt bei einer Raumluftkonzentration von 0,1 µg DDT/m³ Luft eine tägliche Aufnahme von 0,03 µg/kg Körpergewicht errechnet. Es ist deshalb zu dem Schluss gekommen, dass die Aufnahme über die Atmung gegenüber der möglichen Aufnahme über den Mund vernachlässigt werden kann. Alle bisher bei Betroffenen durchgeführten Blutuntersuchungen zeigten keine erhöhten Werte. Deshalb braucht die tatsächlich vorhandene innere Belastung nur bei begründeten Ausnahmefällen mit deutlich höherer Exposition durch eine Serumbestimmung von DDT und DDE ermittelt werden.

 

zurück zum Seitenanfang
zurück zur Übersicht DDT
zurück zur Übersicht der Holzschutzmittel

weiter zum Umweltlexikon

zurück zu Schadstoffe A - Z