Zum Vorkommen von Acrylamid in Lebensmitteln
Expertenbefragung
Bericht des Bundesinstituts für gesundheitlichen Verbraucherschutz und Veterinärmedizin über das Expertengespräch vom 14. Mai 2002

 

Fragenkomplex zur Exposition

15. Die Bundesforschungsanstalt für Getreide-, Kartoffel- und Fettforschung informierte über aus Herstellungsmengen und Bevölkerungszahlen (Angaben der zentralen Markt- und Preisberichtstelle, ZMP) errechnete durchschnittliche Verzehrsmengen (Nicht-Verzehrer eingeschlossen) für einige Gruppen von Broten und Kartoffelprodukte in Deutschland. Bei dieser Berechnungsweise ergeben sich relativ geringe Verzehrsmengen wie z.B. 100 g Brot und knapp 30 g Dauerbackwaren pro Person und Tag. Knäckebrot läge dann bei 0,2 g, Kroketten, Formkartoffeln etc. bei 3 g, Kartoffelchips ebenfalls bei 3 g und Pommes frites bei 9 g pro Person und Tag.

16. Von einem anderen Experten wurden vergleichende Daten über den Durchschnittsverzehr in Europa, die Ende der Neunziger Jahre ermittelt worden waren, vorgestellt. Danach ist der Verzehr von Chips in Deutschland geringer als in England und in Schweden.

17. Das BgVV gab zu bedenken, dass es wichtig wäre, die Verzehrsmengen für besondere Bevölkerungsgruppen, vor allem für Kinder und Jugendliche und für Hochverzehrer zu kennen. Gerade Jugendliche könnten ja Kartoffelchips auch in größeren Mengen verzehren.

18. Es wurde festgestellt, dass der Ernährungsbericht 2000 zwar nach z.B. Altersgruppen und Geschlecht differenzierte Daten enthielte, dafür aber innerhalb der Gruppe Brot bzw. Kartoffeln nicht nach einzelnen Produkten unterschieden werde.

19. Ein Experte erwähnte Daten der nationalen Verzehrsstudie die damals für den Brotverzehr in der Bundesrepublik einen mittleren Wert von 241 g/Tag und für den 97.5-ten Perzentil 528 g/Tag auswiesen. Diese Verzehrsmengen sind möglicherweise seither gesunken. So gehe der Ernährungsbericht 2000 für Brot- und Backwaren insgesamt im nationalen Durchschnitt nur noch von 184 g aus.

20. Betont wurde, dass die Verwendung mittlerer Verzehrsmengen sinnvoll sein könne, wenn es um die Beurteilung des Risikos von Langzeiteffekten ginge. Es seien aber auch akute Effekte zu berücksichtigen; daher müsste man auch den Extremverzehr anschauen, um sicher zu stellen, dass nicht spezifische Bevölkerungsgruppen akute Schäden erleiden. Es stellte sich heraus, dass auch die Wirtschaft nicht in der Lage wäre, Angaben zum Spitzenverzehr zu machen.

21. Es wurde angeregt, die Daten spezifischer neuerer Studien auf das Vorhandensein solcher Informationen zu prüfen, z.B. eine kürzlich von Unilever durchgeführte Studie zum Verzehr von Phytosterolestern. Andere Daten könnten vielleicht bei der Gesellschaft für Konsumforschung und anderen Anbietern vorhanden sein. Auch auf Studien, an denen das DIFE in Potsdam beteiligt war, bzw. die es derzeit koordiniere, wurde hingewiesen.

22. Ein Experte warnte davor, auf der gegenwärtigen analytischen Datenbasis bereits bestimmten Lebensmitteln bestimmte Gehalte an Acrylamid zuzuordnen. Dies führe zur Verunsicherung der Bevölkerung und vielleicht sogar ganzer Industriegruppen.

23. Zu anderen möglichen Eintragsquellen für Acrylamid wurde diskutiert: Zigarettenrauch, Kosmetische Mittel, Verpackungsmaterialien für Lebensmittel und Trinkwasser. All diese Quellen führen zu einer im Vergleich zu den in Lebensmitteln in Schweden gemessenen Werten erheblich geringeren Aufnahmen von Acrylamid durch die Verbraucher.

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