Sommersmog
Hintergrundinformation
Emissionsquellen der Vorläufersubstanzen
Quelle: Umweltbundesamt Stand Juni 2002

 

Ozon und andere Photooxidantien entstehen aus Stickstoffoxiden (NOX) und flüchtigen organischen Verbindungen (NMVOC) unter dem Einfluss von Sonneneinstrahlung. Diese Ozonvorläufer stammen sowohl aus natürlichen (biogenen) als auch aus anthropogenen (vom Menschen verursachten) Quellen. In Mitteleuropa sind die natürlichen gegenüber den anthropogenen Emissionen im Jahresmittel zwar gering, während sommerlicher Ozonepisoden können sie aber in erheblichem Maße zu den Gesamtemissionen beitragen, vor allem zu den NMVOC-Emissionen. Die in den folgenden Tabellen aufgeführten Schadstoffgruppen anthropogener Emissionen haben nicht nur einen Verursacher, sondern mehrere. Der Verkehr ist bei Stickstoffoxiden der wichtigste und bei NMVOC ein bedeutender Emissionsbereich. Die Tabelle auf Seite 5 zeigt die Emissionsentwicklung von NOX und NMVOC in Deutschland von 1990 bis 2000.
Der Trend ist eindeutig: Der Ausstoß von Stickstoffoxiden ist in Deutschland zwischen 1990 und 2000 um 41 %, der von flüchtigen Kohlenwasserstoffen um 50 % zurückgegangen.

Stickstoffoxide stammen zu circa 57 % aus dem Verkehrsbereich
(Basis: 2000; vorläufige Angaben). Hierzu trägt der Straßenverkehr ca. 49 % bei. Der Anteil des übrigen Verkehrs liegt bei etwa 8 %. Der restliche Anteil der Stickstoffoxid-Emissionen stammt überwiegend aus Feuerungsanlagen. Das sind Anlagen, die fossile Energieträger wie Kohle oder Öl zur Wärmegewinnung oder Stromerzeugung verbrennen (zum Beispiel Kraftwerke). Als eine Folge der gesetzlichen Vorschriften nahmen in den letzten Jahren (insbesondere aufgrund der Technischen Anleitung zur Reinhaltung der Luft – kurz TA Luft – und der Großfeuerungsanlagenverordnung) diese Emissionen deutlich ab. Das Gleiche gilt im Grundsatz für den Verkehrsbereich. Zu berücksichtigen ist, dass im Sommer der Wärmeenergiebedarf geringer und der Beitrag des Verkehrs größer ist als im Jahresdurchschnitt. Im Verkehrsbereich – und hier insbesondere bei den NOX-Emissionen aus schweren Nutzfahrzeugen – sind in den nächsten Jahren weitere Schritte zur Emissionsminderung erforderlich.

NMVOC werden zu über 62 % bei der Verwendung von Lösemitteln freigesetzt
(Basis: 2000; vorläufige Angaben). Lösemittel finden sich in vielen Produkten, die in Industrie, Gewerbe und Haushalten Verwendung finden, wie in Farben und Lacken, Klebstoffen, Abbeizern, Reinigungsmitteln usw. Im industriellen Bereich werden Lösemittel in vielen verschiedenen Branchen eingesetzt. Von Bedeutung für die Entstehung von NMVOC-Emissionen sind insbesondere Lackier-, Druck- und Kaschieranlagen sowie industrielle Reinigungsprozesse. Beim Verkehr (Emissionsanteil rund ein Viertel) kommen NMVOC überwiegend aus dem Auspuff von Pkw mit Ottomotoren (unverbrannter Kraftstoff), durch die Verdampfung von Kraftstoffen aus dem Tank, dem Kraftstoffsystem und an Tankstellen. Daneben gewinnen die NMVOC-Emissionen von motorisierten Zweirädern und mobilen Geräten (Rasenmäher, Kettensägen) zunehmend an Bedeutung. Bei diesen NMVOC handelt es sich um eine Vielzahl von zwar jeweils im Einzelnen mit relativ geringen Mengen, als Summe jedoch in großer Menge emittierten Luftverunreinigungen.

Auch die biogenen Emissionen von NMVOC und NOX spielen für die sommerliche Ozonbildung eine nicht unwesentliche Rolle. Biogene Emissionen erfolgen hauptsächlich in Form von Kohlenwasserstoffen wie Terpen und Isopren aus Laub- und Nadelbäumen, während die biogenen NOX-Emissionen überwiegend aus überdüngten Böden stammen.

Emissionen nach Emittentengruppen in Deutschland 1990 bis 2000 *
Stickstoffoxide und flüchtige organische Verbindungen (ohne Methan)
Angaben in kt ( 1 kt = 1000 t )

Jahr

1990 1995 1996 1997 1998 1999 2000

Stickstoffoxide (NOx, berechnet als NO2) 1)

Insgesamt kt

2729 1984 1897 1800 1724 1676 1600
  kt % kt % kt % kt % kt % kt % kt %
Landwirtschaft 22 0,8 18 0,9 18 0,9 18 1,0 19 1,1 20 1,2 21 1,3
Industrieprozesse 2) 31 1,1 15 0,7 13 0,7 13 0,7 13 0,7 13 0,8 13 0,8
Übriger Verkehr 3) 265 9,7 157 7,9 145 7,6 140 7,8 138 8,0 134 8,0 131 8,2
Straßenverkehr 1277 46,8 1015 51,2 950 50,1 894 49,7 857 49,7 845 50,4 788 49,2
Haushalte 106 3,9 90 4,5 99 5,2 99 5,5 95 5,5 87 5,2 84 5,2
Kleinverbraucher 4) 67 2,5 119 6,0 125 6,6 118 6,6 115 6,7 116 6,9 113 7,1
Industriefeuerungen 5) 385 14,1 244 12,3 232 12,2 232 12,9 215 12,5 209 12,4 206 12,8
Kraft- und Fernheizwerke 6) 576 21,1 326 16,4 315 16,6 286 15,9 274 15,9 253 15,1 245 15,3

Flüchtige organische Verbindungen ohne Methan (NMVOC)

Insgesamt kt 3221 2020 1892 1823 1739 1675 1600
  kt % kt % kt % kt % kt % kt % kt %
Lösemittelverwendung 7) 1160 36,0 1050 52,0 1010 53,4 1010 55,4 1000 57,5 1000 59,7 1000 62,5
Industrieprozesse 2) 153 4,8 129 6,4 126 6,6 126 6,9 126 7,2 126 7,5 127 7,9
Gew. u. Vert. v. Brennst. 8) 220 6,8 92 4,6 83 4,4 76 4,2 69 4,0 66 4,0 64 4,0
Übriger Verkehr 3) 75 2,3 33 1,6 30 1,6 29 1,6 29 1,7 27 1,6 27 1,7
Straßenverkehr 1455 45,2 622 30,8 551 29,1 476 26,1 418 24,0 359 21,5 291 18,2
Haushalte 129 4,0 48 2,4 49 2,6 60 3,3 59 3,4 58 3,5 56 3,5
Kleinverbraucher 4) 9 0,3 32 1,6 29 1,5 31 1,7 25 1,4 24 1,4 23 1,4
Industriefeuerungen 5) 12 0,4 8 0,4 8 0,4 8 0,4 8 0,5 7 0,4 7 0,4
Kraft- und Fernheizwerke 6) 8 0,2 7 0,3 7 0,4 6 0,3 6 0,3 6 0,4 6 0,4
 
1) Ohne natürliche Quellen
2) Ohne energiebedingte Emissionen
3) Land-, Forst- und Bauwirtschaft, Militär-, Schienen-, Küsten- und       Binnenschiffsverkehr, nationaler Luftverkehr
4) Einschließlich Militärische Dienststellen
5) Übriger Umwandlungsbereich, Verarbeitendes Gewerbe und übriger Bergbau;   Erdgasverdichterstationen; bei Industriekraftwerken nur Wärmeerzeugung
6) Bei Industriekraftwerken nur Stromerzeugung
7) in Industrie, Gewerbe und Haushalten
8) Verteilung von Ottokraftstoffen
   
* Vorläufige Angaben für 1996 bis 2000
   
  Quelle: Umweltbundesamt Stand: Mai 2002

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