Sommersmog
Hintergrundinformation
Grenz-, Ziel- und Schwellenwerte
Quelle: Umweltbundesamt Stand Juni 2002

 

Da Ozon nicht direkt emittiert wird (=>Abschnitt 2), sondern aus anderen Schadstoffen unter Einfluss von Sonnenlicht gebildet wird, gibt es für Ozon keine Emissionsgrenzwerte.

Dem gegenüber wird die Emission der Vorläufersubstanzen NOX und NMVOC mit einer Vielzahl von Grenzwerten geregelt (zum Beispiel europäische Grenzwerte für die Zulassung von Pkw und Lkw, Verordnungen über Verdunstungsverluste beim Umfüllen und Lagern oder beim Betanken mit Ottokraftstoffen sowie für genehmigungsbedürftige Industrieanlagen durch die TA Luft).

Zur Beurteilung der Ozon-Konzentrationen in der Atemluft sowie zur Information und Warnung der Bevölkerung waren für die Europäische Union (EU) mit der Richtlinie 92/72/EWG des Rates vom 21. September 1992 über die Luftverschmutzung durch Ozon Schwellenwerte festgelegt worden. Diese Werte waren am 27. Mai 1994 mit der Änderung der Verordnung über Immissionswerte (22. BImSchV) in das deutsche Immissionsschutzrecht übernommen worden:

•Schwellenwert für den Gesundheitsschutz (Ozon-Konzentration, die zum Schutz der menschlichen Gesundheit im Falle länger andauernder Belastung nicht überschritten werden sollte): Unterhalb 110 µg/m³ (Acht-Stunden-Mittelwert, das heißt Mittelwert der Konzentration über acht Stunden) wird davon ausgegangen, dass keine gesundheitsbeeinträchtigenden Wirkungen auftreten.

•Schwellenwerte für den Schutz der Vegetation: 200 µg/m³ (Ein-Stunden-Mittelwert) und 65 µg/m³ (24-Stunden-Mittelwert).

•Schwellenwert für die Unterrichtung der Bevölkerung (Ozon-Konzentration, bei deren Überschreiten es bei besonders empfindlichen Gruppen der Bevölkerung auch im Fall einer kurzen Exposition begrenzte und vorübergehende gesundheitliche Auswirkungen gibt): Ab einer Ozon-Konzentration von 180 µg/m³ (Ein-Stunden-Mittelwert) sollen Personen, die erfahrungsgemäß gegenüber Luftschadstoffen empfindlich reagieren, insbesondere ungewohnte und starke Anstrengungen im Freien am Nachmittag vermeiden. Schwellenwert für die Auslösung des Warnsystems (Ozon-Konzentration, bei deren Überschreiten im Falle einer kurzen Exposition eine Gefahr für die menschliche Gesundheit besteht): Ab einer Konzentration von 360 µg/m³ (Ein-Stunden-Mittelwert) wird der gesamten Bevölkerung empfohlen, länger andauernde und körperlich anstrengende Tätigkeiten im Freien, insbesondere am Nachmittag, zu vermeiden.

Die Richtlinie 92/72/EWG wird ab 9. September 2003 von der Richtlinie 2002/3/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 12. Februar 2002 über den Ozongehalt der Luft abgelöst. Die neue Ozonrichtlinie muss noch in deutsches Recht umgesetzt werden. Diese neue Richtlinie (3. Tochterrichtlinie zur Rahmenrichtlinie Luftqualität) enthält Zielwerte, Langfristziele, eine Informationsschwelle und eine Alarmschwelle für bodennahes Ozon.

 

Zielwerte:

Unter „Zielwert“ versteht die Richtlinie einen Wert, der mit dem Ziel festgelegt wird, schädliche Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit und/oder die Umwelt insgesamt langfristig zu vermeiden, und der – so weit wie möglich – in einem bestimmten Zeitraum erreicht werden muss. Die Zielwerte sind wie folgt definiert:

  Parameter Zielwert für 2010

1. Zielwert für den Schutz der menschlichen Gesundheit

 

Höchster 8-Stunden-Mittel-wert eines Tages

 

120 µg/m³; darf an höchstens 25 Tagen pro Kalenderjahr überschritten werden, gemittelt über 3 Jahre

 

2. Zielwert für den Schutz der Vegetation

AOT40, berechnet aus 1-Stunden-Mittelwerten von Mai bis Juli

 

18.000 µg/m³.h gemittelt über v5 Jahre

 

Langfristziele

Unter „Langfristziel“ versteht die Richtlinie eine Ozon-Konzentration in der Luft, unterhalb derer direkte schädliche Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit und/oder die Umwelt insgesamt nach den derzeitigen wissenschaftlichen Erkenntnissen unwahrscheinlich sind. Dieses Ziel ist langfristig zu erreichen, um die menschliche Gesundheit und die Umwelt wirksam zu schützen, es sei denn, dies ist mit Maßnahmen, die in einem angemessenen Verhältnis zum angestrebten Erfolg stehen, nicht erreichbar. Die Langfristziele (Zeithorizont: 2020) sind wie folgt definiert:

  Parameter langfristiges Ziel

1. langfristiges Ziel für den Schutz der menschlichen Gesundheit

 

Höchster 8-Stunden-Mittel-wert eines Tages während eines  Kalenderjahres

 

120 µg/m³

2. langfristiges Ziel für den Schutz der Vegetation

 

AOT40, berechnet aus 1-Stunden-Mittelwerten von Mai bis Juli

 

6.000 µg/m³.h

Informationsschwelle

Mit „Informationsschwelle“ ist in der Richtlinie ein Wert gemeint, bei dessen Überschreitung bei kurzfristiger Exposition ein Risiko für die menschliche Gesundheit für besonders empfindliche Bevölkerungsgruppen besteht und bei dem aktuelle Informationen erforderlich sind. Der Informationsschwellenwert liegt unverändert bei 180 µg/m3 (1-Stunden-Mittelwert).

 

Alarmschwelle

„Alarmschwelle“ im Sinn der Richtlinie ist ein Wert, bei dessen Überschreitung bei kurzfristiger Exposition ein Risiko für die menschliche Gesundheit für die Gesamtbevölkerung besteht und bei dem die Mitgliedstaaten umgehend die Bevölkerung warnen und kurzfristige Aktionspläne erarbeiten und in Kraft setzten müssen; die Alarmschwelle ist auf 240 µg/m3 (1-Stunden-Mittelwert) festgelegt. Eine Überschreitung der Alarmschwelle führt erst zu Maßnahmen, wenn sie während drei aufeinander folgender Stunden gemessen oder vorhergesagt ist.

Die kurzfristigen Maßnahmen sind nur zu ergreifen, wenn nach den örtlichen Gegebenheiten ein nennenswertes Potenzial zur Verringerung der Gesundheitsrisiken oder zur Reduzierung der Dauer oder des Ausmaßes einer Überschreitung besteht. Diesbezügliche Pläne können abgestufte kosteneffiziente Maßnahmen zur Kontrolle und, soweit erforderlich, zur Einschränkung oder Aussetzung bestimmter Tätigkeiten, einschließlich des Kraftfahrzeugverkehrs, vorsehen, die zu Emissionen beitragen, die zur Überschreitung der Alarmschwelle führen. Dazu könnten auch wirksame Maßnahmen gehören, die den Betrieb von Industrieanlagen oder die Verwendung von Erzeugnissen betreffen.

Einen rechtsverbindlichen Konzentrationswert für Ozon zur Auslösung von Emissionsminderungsmaßnahmen hatte das Gesetz zur Änderung des Bundes-Immissionsschutzgesetzes („Ozongesetz“) vom Juli 1995 enthalten. Er lag bei 240 µg/m3 (Ein-Stunden-Mittelwert). Im Gesetz waren großräumige Fahrverbote für Fahrzeuge mit hohem Schadstoffausstoß vorgesehen. Es sollte der Bekämpfung kurzfristig auftretender Ozonspitzen dienen. Dieses Gesetz war bis zum 31. Dezember 1999 gültig.

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