Schwefeldioxid SO2

 

Farbloses, stechend riechendes Gas, das überwiegend als unerwünschtes Nebenprodukt bei der Verbrennung fossiler, schwefelhaltiger Energieträger (Kohle, Öl) sowie bei verschiedenen industriellen Prozessen (u.a. Eisen- u. Stahlerzeugung, Schwefelsäure und Zellstoffproduktion, Erdölverarbeitung) freigesetzt wird. In der Atmosphäre anzutreffendes SO2 stammt zu ca. 70% aus der Kohleverbrennung und zu ca. 16% aus der Erdölverbrennung. 1982 wurden vom Gebiet der Bundesrepublik Deutschland ca. 2,9 Mio t SO2 in die Umwelt gebracht. Aufgrund einschneidender gesetzlicher Maßnahmen

ist die Tendenz abnehmend.

SO2 ist in der Atmosphäre einer Reihe von Umwandlungsprozessen unterworfen, als deren Folge z.B. schweflige Säure, Schwefelsäure, Sulfite und Sulfate entstehen können. SO2 wirkt in erster Linie auf die Schleimhäute des Auges und die oberen Atemwege und verursacht Atemwegserkrankungen. Bei Pflanzen verursacht SO2 das Absterben von Gewebepartien durch Abbau von Chlorophyll. Auch bei den weltweit zu verzeichnenden neuartigen Waldschäden spielt SO2 eine besondere Rolle. In der TA Luft sind Immissionswerte für SO2 angegeben.

Im früheren Bundesgebiet haben die SO2-Emissionen in den 80er Jahren um 70% abgenommen. Dies ist vor allem auf den Ausbau der Abgasentschwefelung im Kraftwerksbereich sowie an der Substitution emissionsintensiver Brennstoffe zurückzuführen.

Dagegen stiegen im Gebiet der ehem. DDR die Emissionen bis 1987 an, vor allem weil in den Kraftwerken zunehmend Braunkohle mit steigenden Schwefelgehalten verfeuert wurde. Durch wirtschaftliche Umstrukturierung, die Stillegung veralteter Anlagen sowie den Einsatz emissionsgünstigerer Brennstoffe sanken die Emissionen seit 1990 beträchtlich.

 

Emissionen nach Emittentengruppen in Deutschland 1990 bis 1994*
Schwefeldioxid (SO2) 1)
Jahr 1990 1991 1992 1993 1994
Gesamt in kt 5326 4172 3436 3153 2995
  In kt in % in kt in % in kt in % in kt in % in kt in %
Industrieprozesse 3)

225

4,2

90

2,2

85

2,5

85

2,7

85

2,8

Übriger Verkehr 4)

29

0,5

15

0,4

12

0,3

12

0,4

12

0,4

Straßenverkehr

77

1,4

62

1,5

59

1,7

57

1,8

51

1,7

Haushalte

450

8,4

310

7,4

228

6,6

226

7,2

196

6,6

Kleinverbraucher 5)

462

8,7

290

7,0

193

5,6

214

6,6

203

5,8

Industriefeuerungen 6)

1274

23,9

930

22,3

669

19,5

592

18,8

572

19,1

Kraft- und Fernheizwerke 7)

2809

52,7

2475

59,3

2190

63,7

1967

62,4

1876

62,6

 

1) ohne natürliche Quellen
2) Aus Energieverbrauch und Industrieprozessen mit Klimarelevanz
3) Ohne energiebedingte Emissionen
4) Land-, Forst- und Bauwirtschaft, Militär-, Schienen-, Küsten- und Binnenschiffsverkehr, nationaler Luftverkehr
5) Einschließlich militärische Dienststellen
6) Übriger Umwandlungsbereich, Verarbeitendes Gewerbe und übriger Bergbau; Erdgasverdichterstationen; bei Industriekraftwerken nur Wärmeerzeugung
7) Bei Industriekraftwerken nur Stromerzeugung
* Vorläufige Angaben für 1993 und 1994

Als Bewertungskriterien für die Luftbelastung durch Schwefeldioxid werden in Deutschland in der Technischen Anleitung zur Reinhaltung der Luft (TA-Luft, Erste Allgemeine Verwaltungsvorschrift zum Bundes-Immissionsschutzgesetz), in der 22. Verordnung zum BImSchG sowie in einer VDI Richtlinie verschiedene Grenz- und Richt- bzw. Leitwerte genannt, die in den nachfolgenden Tabellen aufgeführt sind.

 

22. BimSchV

Immissionswert

Zeitbezug Schutzobjekt Verbindlichkeit

80 µg/m³

Medianwert der während eines Jahres gemessenen Tagesmittelwerte, wenn der Medianwert der Schwebstaubbelastung 150 µg/m³ Menschliche Gesundheit Grenzwert

120 µg/m³

Medianwert der während eines Jahres gemessenen Tagesmittelwerte, wenn der Medianwert der Schwebstaubbelastung <150 µg/m³> Menschliche Gesundheit Grenzwert

130 µg/m³

Medianwert der im Winterhalbjahr gemessenen Tagesmittelwerte, wenn der Medianwert der Schwebstaubbelastung 200 µg/m³ Menschliche Gesundheit Grenzwert

250 µg/m³

98%-Wert der Summenhäufigkeit der während eines Jahres gemessenen Tagesmittelwerte, wenn 98%-Wert der Schwebstaubbelastung 350 µg/m³ Menschliche Gesundheit Grenzwert

350 µg/m³

98%-Wert der Summenhäufigkeit der während eines Jahres gemessenen Tagesmittelwerte, wenn 98%-Wert der Schwebstaubbelastung <350 µg/m³> Menschliche Gesundheit Grenzwert

 

TA-Luft

Immissionswert

Zeitbezug Schutzobjekt Verbindlichkeit

140 µg/m³

Arithmetischer Jahresmittelwert aus Halbstundenmittelwerten Menschliche Gesundheit Grenzwert

400 µg/m³

98%-Wert der Summenhäufigkeit aus Halbstundenmittelwerten eines Jahres Menschliche Gesundheit Grenzwert

 

EU-Richtlinie 80/779/EWG

AnhängeII/IV

Immissionswert Zeitbezug Schutzobjekt Verbindlichkeit

Anhang IV

wie 22. BImSchV wie 22. BimSchV Menschliche Gesundheit Grenzwert

Anhang II

40 - 60 µg/m³ Arithmetischer Jahresmittelwert Menschliche Gesundheit und Schutz der Umwelt Leitwert

 

100 - 150 µg/m³ Tagesmittelwert   Leitwert

 

WHO
Immissionswert Zeitbezug Schutzobjekt Verbindlichkeit

50 µg/m³

Jahresmittelwert Menschliche Gesundheit Leitwert

125 µg/m³

Tagesmittelwert Menschliche Gesundheit Leitwert

 

Die EU-Richtlinie 80/779/EWG legt in ihrem Anhang IV die Werte fest, die als Grenzwerte in der 22. Bundes-Immissions-Schutz-Verordnung (BImSchV) genannt sind. Diese Verordnung setzt die EU-Richtlinie in deutsches Recht um. Die hier genannten Grenzwerte für Schwefeldioxid gelten in Verbindung mit der Konzentration des Schwebstaubes. Der Anhang II der genannten Richtlinie nennt 2 zusätzliche Leitwerte.

Die in Deutschland für die Beurteilung der Luftqualität herangezogenen Grenzwerte sind der IW1 und der IW2 (Immissions-Wert) der TA-Luft bzw. die diesen entsprechenden Werten der 22. BImSchV. Der IW1 dient zur Bewertung der Langzeitwirkungen und ist der Vergleichswert für den arithmetischen Mittelwert aller Einzelwerte (1/2-Stundenwerte) eines Jahres (= Jahresmittelwert = I1). Mit diesem Wert - und nur mit diesem Wert - können die Darstellungen unter der Rubrik "Jahresmittelwerte" verglichen werden. Der IW2 dient entsprechend zur Bewertung der Kurzzeiteinwirkungen und ist der Vergleichswert für den 98%-Wert der Summenhäufigkeitsverteilung aller Einzelwerte eines Jahres (I1). Der Begriff 98%-Wert der Summenhäufigkeitsverteilung bedeutet, daß der festgestellte I1-Wert von 98 Prozent aller Einzelwerte unter- und nur noch von 2 Prozent aller Einzelwerte überschritten wird. Bei beiden Werten handelt es sich um Grenzwerte, die bei Überschreitungen Maßnahmen zur Luftreinhaltung erfordern.

Die Maximalen Immissions-Konzentrationen (MIK-Werte) werden von der VDI-Kommission (VDI = Verein Deutscher Ingenieure) in der VDI-Richtlinie 2310 festgelegt. Bei Einhaltung der MIK-Werte ist der Schutz der menschlichen Gesundheit bzw. seiner Umwelt nach dem derzeitigen Wissensstand und nach Maßgabe der zugehörigen Kriterien gewährleistet. Bei den in der Richtlinie genannten Werten handelt es sich um Richtwerte, die die Kombination von Schwefeldioxid und Schwebstaub berücksichtigen. Die Werte besitzen keine Gesetzeskraft.

Leitwerte zum Schutz der menschlichen Gesundheit nennt auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO). Diese Werte entsprechen in etwa den Leitwerten des Anhangs II der EU-Richtlinie.

Quelle: Umweltbundesamt

zurück zum Seitenanfang
 
zurück zur Übersicht Schwefeldioxid
zurück zur Übersicht Luftschadstoffe
weiter zu Schadstoffe A - Z