Faltblatt Amalgam
Autor: Dr. Hentschel / Hamburg


Welche Bedeutung haben Amalgamfüllungen für die Gesundheit

In verschiedenen Untersuchungen konnte gezeigt werden, daß die Quecksilberwerte im Urin von Amalgamträgern zum Teil zwei- bis dreifach höher liegen als die Werte von Personen ohne Amalgamfüllungen. Nach der Bewertung des Bundesgesundheitsamts und der Weltgesundheitsorganisation führen die bei Amalgamträgern ermittelten Quecksilberbelastungen jedoch zu keiner erkennbaren Gesundheitsgefährdung.

Ein ursächlicher Zusammenhang zwischen gesundheitlichen Problemen und Amalgamfüllungen ist bisher nur für allergische Reaktionen belegt. Möglich scheint aber, daß die langjährige Einwirkung des Amalgams in der Mundhöhle ein noch unbekanntes Risiko bedingt. Risikofaktoren könnten Kombinationswirkungen mit anderen Chemikalien oder eine erhöhte Empfindlichkeit bestimmter Bevölkerungsgruppen sein. Deshalb hat das BGA empfohlen, auf die Verwendung von Amalgam bei Schwangeren und auf den Amalgameinsatz bei Kleinkindern und bei Patienten mit schweren Nierenfunktionsstörungen zu verzichten.

Wer weitergehende Informationen oder eine gesundheitliche Beratung wünscht, kann sich an die Umweltmedizinische Beratungsstelle der Behörde für Arbeit, Gesundheit und Soziales unter der Tel.-Nr. 78 96 45 50 wenden.

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Was folgt daraus

Wer viele und/oder alte Amalgamfüllungen hat, kann den Quecksilbergehalt im Körper mit einem 24-Stunden-Sammelurin überprüfen lassen. Diesen Test können Sie in der Umweltmedizinischen Beratungsstelle und bei Ihrem Hausarzt durchführen lassen. Werden tatsächlich erhöhte Werte festgestellt, muß eine Untersuchung und Beratung durch Ihren Zahnarzt das weitere Vorgehen klären.

Möglicherweise müssen Füllungsoberflächen überarbeitet oder alte Amalgamfüllungen ersetzt werden. Wichtig ist dabei die Beachtung von entsprechenden Vorsichtsmaßnahmen, da es besonders beim Überarbeiten und Entfernen der Amalgamfüllungen zu höheren Quecksilberbelastungen kommt. Besteht der Verdacht auf eine Amalgamallergie, sorgt ein Allergietest für Aufklärung.

In der Zahnheilkunde werden neben Amalgamlegierungen auch andere Füllungsmaterialien (z.B. Kunststoffe, Keramik, Palladium, Gold) verwendet, die jedoch nicht für alle Anwendungsbereiche geeignet sind. Ob diese zahnärztlichen Werkstoffe im Vergleich zu Amalgam unbedenklicher sind, ist bisher nicht gesichert. Goldlegierungen gelten weitgehend als unbedenklich. Die Krankenkassen übernehmen jedoch zur Zeit nicht die Kosten für Goldfüllungen.

Ohne eine eingehende medizinische Beurteilung der Quecksilberbelastung aus Amalgamfüllungen ist von einem Entfernen vorhandener Zahnfüllungen abzuraten.

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Quecksilberbelastung aus Amalgamfüllungen


Amalgame sind Legierungen des Quecksilbers mit Silber, Zinn und Kupfer, die auf Grund ihrer Materialeigenschaften seit langem in der Zahnheilkunde als Füllungsmaterial verwendet werden. Ihr breiter Einsatz hat dazu geführt, daß sie neben der Ernährung eine der Hauptbelastungsquellen für Quecksilber in der Allgemeinbevölkerung darstellen.

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Wie gelangt Quecksilber in den Körper


Quecksilber kann als Quecksilberdampf oder in organischer bzw. anorganischer Verbindung über verschiedene Aufnahmewege in den Körper gelangen.

Hohe Quecksilberbelastungen können kurzfristig nach Unfällen am Arbeitsplatz oder im Haushalt auftreten, z.B. durch ein zerbrochenes Thermometer.

Bei der Quecksilberaufnahme aus Amalgamfüllungen handelt es sich demgegenüber um eine kontinuierliche Belastung durch niedrige Mengen von Quecksilberdampf. Dabei gelangt das Metall aus den Füllungen vorwiegend mit der Atemluft über die Lunge in den Organismus. Hier wird es hauptsächlich im Nervensystem und in der Niere angereichert.

Die Höhe der Freisetzung von Quecksilber aus Amalgam ist abhängig von der Legierungsart, der Anzahl, Größe und dem Verarbeitungszustand der Füllungen sowie von individuellem Verhalten (Zähneknirschen, Kaugewohnheiten, Zahnpflege etc.). Dem Legen und dem Entfernen der Zahnfüllungen kommt dabei hinsichtlich der Belastung die größte Bedeutung zu.

Es wird geschätzt, daß die Aufnahme von elementarem Quecksilber aus Amalgamen und organischem Quecksilber aus Nahrungsmitteln (besonders Fischmahlzeiten) in etwa gleichem Maße zu der Gesamtbelastung durch Quecksilber beiträgt.

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Welche Wirkungen sind bekannt


Mit der Quecksilberbelastung aus Amalgamfüllungen werden verschiedene Symptome in Verbindung gebracht: z.B. Kopfschmerzen, Gelenkschmerzen, Depressionen, Haarausfall, Infektanfälligkeit und verschiedene neurologische Erkrankungen. Bisher konnte jedoch ein ursächlicher Zusammenhang wissenschaftlich nicht belegt werden.

In seltenen Fällen tritt eine Allergie gegenüber Amalgam auf. An diese sollte man denken, wenn nach einer zahnärztlichen Behandlung Veränderungen der Haut oder Schleimhaut im Mundbereich auftreten.Diese kann durch einen Allergietest gesichert werden.

Durch den Kontakt von Amalgamen mit anderen Metallen im Mund kann es zu elektrochemischen Reaktionen kommen. Damit werden Störungen des Geschmacksinns und Entzündungen der Mundschleimhaut in Verbindung gebracht.

Demgegenüber sind bei akuten und chronischen Vergiftungen nach der Aufnahme sehr hoher Quecksilbermengen, z.B. am Arbeitsplatz, Schädigungen der Nieren und neurologische Krankheitsbilder belegt.

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Kann Quecksilber nachgewiesen werden


Verschiedene Untersuchungsmethoden geben Auskunft über die Quecksilberbelastung im Organismus. Quecksilber wird in der Regel im Blut oder Urin gemessen.

Die Quecksilberkonzentration im Blut spiegelt die kurzfristige Belastung aus Nahrungsmitteln wieder. Dagegen ist die Bestimmung im Urin geeignet, eine chronische Quecksilberbelastung festzustellen. Um die Schwankungen der Quecksilberkonzentration im Laufe des Tages zu berücksichtigen, sollte der Urin über 24 Stunden gesammelt werden.

Der sogenannte "Dimavaltest" (hier wird der Quecksilberwert im Urin nach Freisetzung aus dem Körper und Verbindung mit dem Medikament DMPS/Dimaval gemessen) bringt im Vergleich zu einer Untersuchung des 24-Stunden-Sammelurins keine zusätzliche Erkenntnis. Wegen der Nebenwirkungen (Gefahr von allergischen Reaktionen, Ausschwemmung von Spurenelementen) wird von dieser Nachweismethode abgeraten.

Zur Abschätzung der Quecksilberfreisetzung aus Amalgamfüllungen in die Mundhöhle soll der "Kaugummitest" dienen. Dabei wird der Gehalt an Quecksilber im Speichel vor und bei dem Kauen bestimmt. Das Ergebnis dieses Tests ist jedoch nur wenig aussagefähig, da er keine Information über die tatsächlich vom Körper aufgenommene Quecksilbermenge liefert. Außerdem findet eine Verdünnung des Quecksilbers im Speichel je nach Speichelmenge und Kauintensität statt.



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