Wie gefährlich sind Amalgam-Füllungen?

GSF-Wissenschaftler entwickeln neue Meßmethode

"Man kann sich durch Amalgam zwar belasten, aber vergiften kann man sich nicht", sagt Dr. Stefan Halbach, der ein neues Verfahren zur Bestimmung der Quecksilberbelastung durch Amalgam-Plomben entwickelt hat.

Anders als mit bisherigen Tests läßt sich mit dem neuen Meßverfahren, das unlängst patentiert wurde, nicht nur der Quecksilbergehalt in der Mundluft, sondern auch der des Speichels bestimmen. "Traditionelle Meßverfahren erlauben nur eingeschränkte Aussagen über die Quecksilberbelastung durch Amalgam", erklärt der Wissenschaftler vom GSF-lnstitut für Toxikologie. Die Messung des Schwermetallgehalts in der Mundluft allein bringt auch nur Teilergebnisse, weil in der Luft nur elementares Quecksilber vorkommt. Das ionische Quecksilber, das im Speichel gebunden ist, wird vernachlässigt. Und aussagekräftige Speicheltests gab es bisher nicht. Bei dem neuen Testverfahren werden atomares und ionisches Quecksilber durch einen Trick gemeinsam geködert: Die Probanden bekommen eine Mixtur aus Salzlösung und Paraffin, mit der sie den Mund ausspülen müssen. Dabei löst sich das atomare Quecksilber im Öl und das ionische im Salzwasser. Die Flüssigkeiten werden nach dem Spülen in einer Zentrifuge getrennt und mit der Kaltdampf-Atom-Absorbtions-methode bestimmt. Um die tatsächliche Quecksilberbelastung einer Versuchsperson berechnen zu können, müssen die Mundspülungen wiederholt werden: Die erste wird etwa zwei Stunden nach einer Mahlzeit gemacht; die Analyse dieser Spülflüssigkeit ergibt die Freisetzung in Ruhezeiten. Die nächste Messung wird durchgeführt, nachdem die Probanden Kaugummis gekaut haben und dadurch die Oberflächenbeläge auf den Plomben entfernt wurden. Die Analyse dieser Spülflüssigkeit liefert die erhöhten Freisetzungsraten während der Mahlzeiten. Nach einem komplizierten Schlüssel lassen sich nun die Meßergebnisse in die täglich aufgenommene Dosis umrechnen. Berücksichtigt werden unter anderem Ruhezeiten, in denen man nur selten durch den Mund einatmet - hier gilt die niedrige Freisetzungsrate, und nur wenig Quecksilber gelangt in die Lunge. Dazu kommen die Speisezeiten, in denen sowohl die Mundatmung wie auch die Freisetzungsrate erhöht ist. Während der Speisezeiten gelangt daher mehr Quecksilber in die Lunge. Dazugerechnet wird nun noch, wieviel Quecksilber aus dem verschluckten Speichel im Magen resorbiert wird. Die so ermittelte Tagesdosis hängt außerdem von der Anzahl der Amalgamfüllungen der jeweiligen Testperson ab.

Das Resultat dieser aufwendigen Berechnungen: Die Quecksilber-Belastung durch Amalgam-Plomben ist etwa so groß wie die durchschnittliche Quecksilbermenge, die täglich mit der Nahrung aufgenommen wird - das meiste davon stammt übrigens aus Seefisch, allem voran dem Thunfisch. Mit der Nahrung nimmt ein durchschnittlicher Mitteleuropäer 5 bis 10 Mikrogramm Quecksilber am Tag zu sich. Durch Amalgam Zahnfüllungen kommt eine zusätzliche Belastung von etwa 5 Mikrogramm pro Tag dazu. Alles zusammengerechnet sind das im Schnitt 15 bis 20 Mikrogramm pro Tag. Das ist weniger als die von der WHO vorgeschlagenen "Duldbare Tages-Aufnahme": Die beträgt 30 bis 40 Mikrogramm.

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