Gefährdung der Gesundheit durch die Anwendung von
Pestiziden

Autor: Informationsdienst Pestizide und Gesundheit (IPuG) Oldenburg

Weltweit kommen ca. 500 verschiedene Pestizide in über 5000 Mischprodukten zur Anwendung. Dieser Vielfalt entsprechend können Vergiftungssymptome nahezu aller elementaren Lebensvorgänge auftreten. Neben den akuten Vergiftungen sind Langzeitwirkungen von entscheidender Bedeutung. Eine beachtliche Zahl von Pestiziden haben kanzerogene (krebserzeugende), mutagene (erbgutschädigende) und reproduktionstoxische (embryo- bzw. fötusschädigende, etc.) Eigenschaften. Darüber hinaus können eine verminderte Leistung des Immunsystems, Allergien und Schädigungen des Nervensystems mit motorischen Störungen, allgemeinen Befindlichkeitsstörungen bis zu psychischen Erkrankungen durch den Kontakt mit einigen Pestiziden hervorgerufen werden. Grundsätzlich nimmt die Wahrscheinlichkeit einer Schädigung mit der Häufigkeit und Intensität des Kontaktes mit Pestiziden zu. Besonders brisant ist daher die Anwendung von Pestiziden in Innenräumen. Für diesen Anwendungszweck werden die Pestizide außerdem nicht auf ihre Gefährlichkeit geprüft, weil sie keiner greifenden gesetzlichen Regelung unterliegen. Die Zulassung von Pestiziden für den Pflanzenanbau unterliegen dagegen dem Pflanzenschutzgesetz. Die Pestizid-Hersteller müssen für die Zulassung toxikologische Untersuchungen vorlegen. Nach einer Bewertung der vorgelegten Daten durch die zuständigen Bundesbehörden kann eine Zulassung für vier Jahre erteilt werden. Die Zulassung eines Pestizids bedeutet aber keinesfalls, daß das Mittel ungiftig ist. Es wird von der prüfenden Behörde lediglich davon ausgegangen, daß bei einer fachgerechten Anwendung des Mittels, der Nutzen, der aus der Anwendung resultiert, das mögliche Gesundheitsrisiko überwiegt. Bis heute sind jedoch Pestizide zugelassen, die eine kanzerogene, mutagene, reproduktionstoxische oder chronisch neurotoxische (nervengiftige) Wirkung haben. Gerade dieser Umstand ist von erheblicher Bedeutung für den Anwender (z.B. Landwirt), der i.d.R. davon ausgeht, daß ein zugelassenes Mittel für ihn auch ungefährlich ist. Die fehlenden gesetzlichen Regelungen, die zu sehr am möglichem Nutzen orientierte Bewertung der toxikologischen Eigenschaften (Giftwirkung) von Pestiziden und die mangelnde Übermittlung für den Laien verstehbarer Informationen über die Giftwirkungen sind Hauptursachen für die häufig gesundheitsgefährdende Praxis in der Bundesrepublik.



Aufgaben und Ziele des Projektes "Biozide und Gesundheit"

Die wissenschaftlich kritische Bewertung aller öffentlich zugänglichen Daten zur Giftwirkung von Pestiziden und die Weitergabe dieser Informationen an die Öffentlichkeit ist die Aufgabe des Projektes "Biozide und Gesundheit". Das Projekt wird seit September 1994 von der Niedersächsischen Umweltstiftung gefördert. Der Beratungsdienst "Informationsdienst Pestizide und Gesundheit" (IPuG) ist grundsätzlich für jedermann zugänglich und kann damit die Bereitstellung der erarbeiteten Informationen für die Öffentlichkeit leisten. Außerdem können über den Eingang von Anfragen zu gesundheitlichen Beschwerden nach Pestizideinsätzen bis
dahin unbekannte Problembereiche (Giftwirkungen) aufgespürt werden. Insbesondere ist der Informationsdienst ein Expertenservice für betroffene Berufsgruppen (Ärzte, Landwirte, Schädlingsbekämpfer etc.) und Informationsmultiplikatoren (Verbraucherberater, Landwirtschaftsberater etc.). Da Pestizide eine wichtige Rolle in der Umweltmedizin spielen, versteht sich das Projekt außerdem als Teil einer landes- und bundesweit zu entwickelnden öffentlichen Umweltmedizin. Eine enge Zusammenarbeit mit den Einrichtungen des öffentlichen Gesundheitswesen und den Ärztekammern ist daher erforderlich und bereits in wichtigen Bereichen verwirklicht.

Seminar- und Weiterbildungsangebote können direkt beim Projekt oder beim Zentrum für wissenschaftliche Weiterbildung (ZWW) an der Universität Oldenburg erfragt werden.



Kosten für die Beratung

Kurze, insbesondere telefonische Auskünfte werden kostenlos erteilt.

 

Die Organisation des Projektes "Biozide und Gesundheit"

Das Projekt "Biozide und Gesundheit" ist ein Projekt der Arbeitsgruppe Biochemie (Abt. Toxikologie) im Fachbereich Biologie & ICBM (Institut für Chemie und Biologie des Meeres) der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg. Leiterin der Arbeitsgruppe Biochemie/ Toxikologie ist die Biochemikerin Dr. Irene Witte. Das Projekt "Biozide und Gesundheit" wird von dem Biologen Dr. Olaf Hostrup verantwortlich durchgeführt.

 

Der "Informationsdienst Pestizide und Gesundheit" (IPuG)

Wissenstransferstelle des Projektes "Biozide und Gesundheit"
Arbeitsgruppe Biochemie
(Abt. Toxikologie) am Fachbereich 7
UNIVERSITÄT
OLDENBURG

Adressen und Sprechzeiten

IPuG im FB7 & ICBM
Carl vov Ossietzky Universität Oldenburg
Postfach 25 03
26111 Oldenburg

Tel.: 0441/ 798-3777
Fax: 0441/ 798-3777

Internet: Hostrup@Biologie.UNI-Oldenburg.de

Telefonische Sprechzeiten:
Di. und Do. 10°° -12°°

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