Radioaktivität
Natürliche Radionuklide in Trinkwässern
(Quelle: Bundesamt für Strahlenschutz)

Systematische Untersuchungen an Trinkwässern in Deutschland auf natürliche Radionuklide erfolgten bereits seit den 70er Jahren. Die im Folgenden verwendeten Daten zur Aktivitätskonzentrationen von Blei-210, Polonium-210, Radium-226, Radium-228, Thorium-228, Thorium-230, Thorium-232, Uran-234, Uran-235 und Uran-238 beruhen im Wesentlichen auf den Untersuchungen der Leitstelle für Trinkwasser, Grundwasser, Abwasser, Klärschlamm, Reststoffe und Abfall im Bundesgesundheitsamt und seit 1995 im Bundesamt für Strahlenschutz. Der größte Teil der Ergebnisse der Radium-226-Analysen und einiger Uran- und Polonium-210-Bestimmungen lag bereits im Zeitraum 1978 - 86 vor.

In Tabelle 1 sind die Minimal-, Maximal-, 95-Perzentil- und Medianwerte dieser Untersuchungen sowie zum Vergleich die UNSCEAR-Werte (United Nations Scientific Committee on the Effects of Atomic Radiation) für die nördliche Erdhalbkugel zusammengestellt. Die Radium-226-Werte sind für die Bundesrepublik repräsentativ, da die 1734 Trinkwasserproben aus 13 der 16 Bundesländer stammen und aufgrund der geologischen Verhältnisse keine Änderung der Verteilungskurve der Meßwerte zu erwarten ist, wenn die noch fehlenden Länder in die Untersuchungen einbezogen worden wären. Bemerkenswert ist, dass der Medianwert (4,8 mBq/l) erheblich vom UNSCEAR-Wert (0,5 mBq/l) abweicht. Aufgrund der Ergebnisse von Vergleichsanalysen und jahrzehntelanger analytischer Erfahrungen bei diesen Messungen besteht kein Zweifel an der Richtigkeit des gefundenen deutschen Medianwertes für Ra-226. Andererseits erscheint der UNSCEAR-Wert nicht nachvollziehbar, da die deutschen Untersuchungen nicht berücksichtigt wurden, eine regionale Wichtung offensichtlich nicht vorgenommen wurde und die im Report an anderer Stelle angegebenen Medianwerte für Schweden, Jugoslawien und Finnland mit 45, 60 bzw. 440 mBq/l um zwei und mehr Größenordnungen über 0,5 mBq/l liegen.

Die für Blei-210 und Polonium-210 ermittelten Medianwerte von 5,7 bzw. 1,6 mBq/l liegen etwa in der Größenordnung der UNSCEAR-Werte. Die Medianwerte aller anderen natürlichen Radionuklide liegen dagegen um mindestens eine Größenordnung über den entsprechenden UNSCEAR-Werten. Auch wenn man berücksichtigt, dass die vom BfS analysierten Proben überwiegend aus Gebieten erhöhter natürlicher Radioaktivität stammen, dürften die UNSCEAR-Werte insgesamt zu niedrig sein. Im Hinblick auf die Umsetzung der EG-Trinkwasserrichtlinie von 1998 in nationales Recht muss darauf hingewiesen werden, dass die Datenbasis für die Mehrzahl der natürlichen Radionuklide nicht ausreichend ist, insbesondere in Gebieten nichterhöhter natürlicher Radioaktivität in Deutschland. Es sollten daher weitere Untersuchungen vorgenommen werden.

Tabelle 2 zeigt die Minimal-, Maximal-, Median- und 95-Perzentilwerte der Radium-226-Konzentrationen im Trinkwasser für 13 Bundesländer. Insbesondere in den Ländern Sachsen und Thüringen - die Bergbauregionen sind hier überproportional berücksichtigt - liegen die Medianwerte mit 14 bzw. 24 mBq/l weit über dem Medianwert der gesamten Bundesrepublik von 4,8 mBq/l. Die Medianwerte aller anderen Bundesländer liegen in einem engen Bereich von 2,6 und 6,7 mBq/l. Allerdings überschreiten in Rheinland-Pfalz, Bayern und Sachsen 5% aller Meßwerte eine Radium-226-Konzentration von 40, 77 bzw. 120 mBq/l.

In der Abbildung 1 ist die Häufigkeitsverteilung der im Trinkwasser der Bundesrepublik Deutschland gemessenen Radium-226-Konzentrationen mit den Klassenbreiten von 2 und 10 mBq/l für Konzentrationen unter 100 bzw. über 100 mBq/l dargestellt. Als vertikale Skalierung wurde die Anzahl der Meßwerte bezogen auf die Gesamtzahl aller Proben in Prozent je Klassenbreite gewählt. Für Radium-226-Werte über 10 mBq/l wurde der Vertikalmaßstab um das 5fache auf 0 bis 5 mBq/l gedehnt.

Literatur:

Gans, I., Fusban, H.U., Wollenhaupt, H., Kiefer, J., Glöbel, B., Berlich, J. Porstendörfer, J.
Ra-226 und andere Radionuklide im Trinkwasser und in Getränken in der Bundesrepublik Deutschland
Schriftenreihe des Institutes für Wasser-, Boden- und Lufthygiene des Bundesgesundheitsamtes,
WaBoLu-Heft 4/1987

 

Tabelle 1: Aktivitätskonzentrationen natürlicher Radionuklide im Trinkwasser der Bundesrepublik Deutschland

Nuklid Zahl der Proben Aktivitätskonzentration in mBq/l
Minimum Maximum 95 Perzentil Median UNSCEAR
1993
Nordhalbkugel
Pb-210 *) 46 1,14 621 169 5,70 10
Po-210 *) 67 0,05 113 41,6 1,60 5
Ra-226 1734 0,37 260 32,1 4,81 0,5
Ra-228 *) 30 4,50 130 22,5 11,8 0,5
Th-228 *) 36 0,18 22,3 6,10 0,95 0,05
Th-230 *) 36 0,10 9,10 8,60 1,55 0,1
Th-232 *) 36 0,10 4,30 3,50 0,45 0,05
U-234 *) 53 0,83 386 347 18,3 1
U-235 *) 53 0,10 27,6 16,0 1,03  
U-238 *) 87 0,05 440 314 15,8 1
*) Die Aktivitätskonzentrationen dieser Radionuklide wurden überwiegend an Proben aus den Bergbaugebieten der Bundesländer Sachsen und Thüringen bestimmt.

 

Tabelle 2: Ra-226-Konzentrationen im Trinkwasser der Bundesrepublik Deutschland

Bundesland Zahl der Proben Aktivitätskonzentration in mBq/l
Minimum Maximum Median 95 %
Schleswig-Holstein 119 0,74 14,8 5,18 10,0
Hamburg 5 1,48 2,59 2,59 2,59
Niedersachsen 241 0,37 61,4 3,7 16,3
Bremen 8 0,74 11,5 6,66 11,5
Nordrhein-Westfalen 115 0,74 68,8 4,81 31,8
Hessen 249 0,37 117 3,33 18,9
Rheinland-Pfalz 360 0,37 128 5,92 40,0
Baden-Württemberg 235 0,37 38,9 4,07 9,25
Bayern 192 0,37 159 4,07 77,0
Saarland 88 0,37 35,5 4,26 20,0
Berlin 10 3,33 9,80 5,18 9,80
Sachsen 107 4,40 260 14,0 120
Thüringen 5 8,00 25,0 24,0 25,0
Bundesrepublik Deutschland 1734 0,37 260 4,81 32,1

 

 

Abbildung 1: Häufigkeitsverteilung der im Trinkwasser der Bundesrepublik Deutschland gemessenen Ra-226-Konzentrationen

 

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