Radioaktivität
Strahlenexposition durch Radon und Radonzerfallsprodukte in Gebäuden
(Quelle: Bundesamt für Strahlenschutz)

In der Bundesrepublik Deutschland begannen 1978 in den alten Bundesländern Messungen der Radonkonzentration in Häusern mit der Zielstellung, einen ersten Überblick über die Häufigkeitsverteilung, die wesentlichsten Radonquellen und die Radonkonzentration beeinflussende Faktoren zu gewinnen. Zur Validierung der Häufigkeitsverteilung der Radonkonzentrationen in Wohnungen wurde im Zeitraum 1991 bis 1993 eine ergänzende Studie in den ostdeutschen Bundesländern durchgeführt. Daran anschließend erfolgte eine größere Anzahl von Messungen zur Untersuchung der gesundheitlichen Wirkungen der Radonexposition. Spezielle Projekte dienten der Ermittlung der Abhängigkeit der Radonkonzentration in Häusern von der Geologie und Bauweise sowie der Klärung von im besonderen öffentlichen Interesse stehenden Umständen (z.B. des Einflusses von Bergbau auf die Radonkonzentration).

Insgesamt wurden in über 50 000 Häusern (annähernd 0,4% des Bestandes an Wohnhäusern) Messungen der Radonkonzentration durchgeführt (siehe Tabelle 5.1).

Auf Grund der verschiedenen Zielstellungen erfolgten die Messungen mit unterschiedlichen Methoden, bei verschiedenen Messbedingungen und regional unterschiedlicher Messpunktdichte. Während die Messdauer und -bedingungen durch die Zielstellungen vorgegeben und realisiert wurden, war die Messpunktdichte auch abhängig vom Interesse der Bevölkerung und der Kommunalverwaltungen an den Untersuchungen.

Das 2001 vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit gemeinsam mit dem Bundesamt für Strahlenschutz herausgegebene "Radon-Handbuch Deutschland" gibt detaillierte Hinweise, welche Maßnahmen zum Vermeiden erhöhter Radonkonzentrationen geeignet sind.

Die Radonkonzentrationen in Häusern Deutschlands werden in entscheidendem Maße durch die Konzentration des Radons im Baugrund bestimmt.

Die in Häusern in Deutschland gemessenen Radonkonzentrationen sind mit denen vergleichbar, die auch in anderen Ländern angetroffen werden. Rein geologisch bedingt können Jahresmittelwerte von einigen Tausend Bq/m3 auftreten. Die höchsten geologisch bedingten Radonkonzentrationen sind in Häusern gemessen worden, die auf jungen Graniten errichtet wurden. Es ist jedoch wenig wahrscheinlich, dass in Deutschland rein geologisch bedingte Langzeit-Mittelwerte der Radonkonzentration in Wohnräumen von mehr als 10 000 Bq/m3 vorkommen.

Tabelle 5.1: In Deutschland mit öffentlichen Mitteln durchgeführte Radonmessungen in Häusern

Zeitraum Zielstellung Anz. unters. Wohnungen Exposition
1978 - 1984 allgemeine Übersicht über Radon in Wohnungen Westdeutschlands 6 000 3 Monate
1988 - 1990 regionale Untersuchungen im Gesamt gebiet Ostdeutschlands 1 100
350
3 - 4 Wochen
mehrere Monate
1990 - 1993 Beeinflussung durch Bergbau und seine Hinterlassenschaften 32 000 24 Stunden
1987 - 1993 auf Anforderung der Bevölkerung 1 800 3 Tage
1991 - 1993 Häufigkeitsverteilung der Rn-Konzentration in Wohnungen Ostdeutschlands 1 500 1 Jahr
1993 - 1996 Leukämie und Tumorerkrankungen bei Kindern (Niedersachsen) 550 1 Jahr
1993 Messungen in Gebäuden der Elbmarsch 60 2 Monate
1990 - 1997 auf Anforderung von Bürgern > 3 000 2 - 10 Monate
1993 - 1997 auf Anforderung von Landkreisen oder in Begleitung spezieller Projekte ca. 300 > 2 Monate
1997 Validierung von Radongebieten ca. 250 2 - 10 Monate
1990 - 1998 Lungenkrebsrisiko in der Bundesrepublik Deutschland ca. 6 500
ca. 6 500
1 Jahr
2 - 3 Tage
1990 - 1997 sonstige Forschungsvorhaben im Umweltforschungsplan einige Hundert Einige Monate
2 - 3 Tage
1996 Umsetzung der Sächsischen Förderrichtlinie 380 3 Monate
1998 - 2000 Untersuchung des Radontransfers aus dem Boden in Gebäude 1650 1 Jahr
2000 - 2002 Pilotgebiete für Bundesdatei Radon in Gebäuden 1600 1 Jahr
2001 - 2003 Validierung der regionalen Verteilung der Radonkonzentration 6000 1 Jahr

In Bergbaugebieten können über Klüfte und Risse im Deckgebirge oder über direkte Verbindungen von Stollen oder Schächten Grubenwetter mit sehr hoher Radonkonzentration in die Gebäude gelangen. Da Gebiete mit Bergbau häufig von Bodensenkungen und damit verbundenen Gebäudeschäden betroffen sind, können zusätzliche Wegsamkeiten für das Radon in die Gebäude eröffnet werden. In Häusern der Bergbaugebiete wurden in Einzelfällen kurzzeitig mehr als 100 000 Bq/m3 (bis über 600 000 Bq/m3) und Jahresmittelwerte über 15 000 Bq/m3 festgestellt. Auf Grund der in einigen Lagerstätten vorhandenen paragenetischen Uranvererzungen, aber auch wegen der im Allgemeinen erhöhten Gasdurchlässigkeit von geschüttetem Material sollten Halden als Flächen mit erhöhtem Radonpotential eingestuft werden und nicht bebaut werden.

Nach vorläufigen Abschätzungen wird damit gerechnet, dass in ca. 9% der Fläche Deutschlands Radonkonzentrationen über 80 kBq/m3 in der Bodenluft vorkommen können (Abbildung 5.1). In diesen Gebieten sind insbesondere in älteren Häusern gehäuft Überschreitungen der Richtwerte für die Radonkonzentration in Wohnungen anzutreffen. Nach derzeitigem Kenntnisstand sollten Neubauten an Standorten mit derart hohen Radonkonzentrationen im Baugrund radongeschützt errichtet werden. Einen guten Radonschutz bietet bereits ein Beton-Plattenfundament und eine sorgfältig ausgeführte Abdichtung des Gebäudes gegen Bodenfeuchte. Weitere Hinweise können dem Radon-Handbuch entnommen werden.

Abbildung 5.1: Radon in Häusern

In ca. 25% der Fläche Deutschlands sind auf Grund der geologische Bedingungen unabhängig von der Bauweise erhöhte Radonkonzentrationen in Häusern wenig wahrscheinlich. Dies betrifft vor allem große Teile des norddeutschen Tieflandes, wo die Radonkonzentrationen in der Bodenluft meist kleiner als 10 kBq/m3 sind.

Baumaterialien tragen in Gebieten mit niedrigem Radonpotential im Untergrund mit einem Anteil von rund einem Drittel zur Konzentration des Radons in Gebäuden bei. Sie sind selten die Ursache hoher Konzentrationen. In der Regel ist der Beitrag von Baumaterialien zur Radonkonzentration in Wohnräumen deutlich kleiner als 100 Bq/m3. Zu beachten ist aber die Verwendung von Haldenmaterial oder von bestimmten Rückständen der Rohstoffverarbeitung zu Bauzwecken. Infolge der in früheren Zeiten erfolgten Verwendung dieser Materialien zu Bauzwecken, ohne dass deren Konzentration natürlicher Radionuklide beachtet wurde, sind in Einzelfällen Jahresmittelwerte der Radonkonzentration in Gebäuden bis zu einigen Tausend Bq/m3 nicht auszuschließen. Diese Fälle sind auf Gebiete beschränkt, in denen hinsichtlich der natürlichen Radioaktivität besondere Rohstoffe gewonnen oder verarbeitet wurden.

Von untergeordneter Bedeutung für die Radonkonzentrationen in den meisten Gebäuden ist das Radon, welches in Wasser gelöst und bei dessen Anwendung in die Raumluft freigesetzt wird. Möglicherweise signifikante Beeinflussungen der Radon-Raumluftkonzentration in Wohngebäuden sind auf eng begrenzte Gebiete und Situationen (z.B. Nutzung individueller Brunnen in Granitgebieten) beschränkt. Weil in Gebäuden von Radonbädern und Anlagen der Wassergewinnung, -aufbereitung und -verteilung hohe Radonkonzentrationen auftreten können, wurden hierzu in der Strahlenschutzverordnung spezielle Regelungen getroffen.

In Erdöl und Erdgas gelöstes und bei seiner Verwendung freigesetztes Radon spielt nach derzeitigem Kenntnisstand in Deutschland keine Rolle für die Strahlenexposition der Bevölkerung.

Radon-Handbuch Deutschland: Wirtschaftsverlag NW, Verlag für neue Wissenschaft GmbH, Postfach 101110, 27511 Bremerhaven, Fax: 0471/945 44-88, Email: NW-Verlag@t-online.de.

Epidemiologische Untersuchungen zum Lungenkrebsrisiko nach Exposition durch Radon http://www.ssk.de/

 


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