Radioaktivität
Radon in Häusern
(Quelle: BfS Infoblatt 04/2003 vom 30. Juni 2003)

Gesteine und Böden enthalten natürlicherweise Uran und Radium. Die Konzentration dieser Radionuklide kann in Abhängigkeit von der Gesteins- oder Bodenart sehr unterschiedlich sein. Durch radioaktiven Zerfall entsteht aus Uran unter anderem Radium und daraus wiederum Radon. Radon ist ein radioaktives Edelgas, das aufgrund seiner Mobilität durch Spalten, Risse und durchlässigen Untergrund ins Freie oder über Undichtigkeiten der bodenberührenden Gebäudebereiche in die Innenräume gelangt.

Im Freien beträgt die Radonkonzentration gewöhnlich 10 bis 30 Becquerel pro Kubikmeter (Bq/m3), in manchen Gebieten kommen aber auch deutlich höhere Konzentrationen vor.

Die meisten Häuser in Deutschland sind in kompakter Bauweise bei überwiegender Verwendung mineralischer Baustoffe errichtet. In den Baumaterialien wird, wie in Böden und Gesteinen, Radon gebildet, das teilweise in die Häuser freigesetzt wird. Werden Baustoffe mit erhöhter Radonfreisetzung verwendet, kann das höhere Radonkonzentrationen in den Räumen zur Folge haben. In Deutschland sind solche Situationen jedoch selten anzutreffen.

Von entscheidendem Einfluss auf die Radonkonzentrationen in Gebäuden sind die Radonbildung im geologischen Untergrund, die Durchlässigkeit des Baugrunds und die Dichtheit des Bauwerkes. Hohe Radonkonzentrationen treten deshalb in der Regel in Räumen mit direktem Kontakt zum Baugrund auf. Risse in Mauern und der Bodenplatte, ungenügend abgedichtete Kabel- und Rohrdurchführungen oder andere "Schwachstellen" im Bauwerk begünstigen das Eindringen des Radons in das Haus. Dagegen bieten Häuser mit Beton-Plattenfundament und dem heute üblichen fachgerechten Schutz gegen von außen angreifende Bodenfeuchtigkeit dem Radon aus dem Baugrund nur wenige Eindringmöglichkeiten.

Die Radonkonzentrationen in den verschiedenen Bereichen eines Gebäudes sind von der Raumaufteilung und -nutzung sowie von der Luftzirkulation im Haus abhängig. Das vom Baugrund in das Gebäudeinnere gelangte Radon kann sich vor allem durch Treppenaufgänge, Kabelkanäle und Versorgungsschächte, aber auch durch nicht radondichte Geschossdecken in die höher gelegenen Räume des Hauses ausbreiten.

Die Radonkonzentration in Häusern unterliegt starken zeitlichen Veränderungen. Von Bedeutung sind dabei die Lüftungsgewohnheiten der Nutzer und klimatische Einflüsse. Im Mittel treten im Winter höhere Konzentrationen des Radons in Häusern auf als in der warmen Jahreszeit. Im Tagesgang wird das Maximum während der späten Nachtzeit bis zum frühen Morgen erreicht.

Die Radonkonzentration beträgt in Wohnungen in Deutschland durchschnittlich 50 Bq/m3. Eng begrenzte Gebiete der Bundesrepublik weisen besondere geologische Bedingungen auf, die zu einem im Vergleich zum Landesdurchschnitt häufigeren Auftreten erhöhter Radonkonzentrationen in Häusern führen.

In Einzelfällen wurden Radonkonzentrationen von über 10 000 Bq/m3 festgestellt. Ursachen dafür waren der direkte bauliche Anschluss der Häuser an oberflächennahe bergmännische Auffahrungen oder der Transport von radonangereicherter Luft von unter Tage über Klüfte und Risse im Gestein in die Gebäude.

Nach aktuellen Erkenntnissen werden in Deutschland einige Prozent der Lungenkrebserkrankungen der Bevölkerung der Belastung durch Radon und seine Zerfallsprodukte in Gebäuden zugeschrieben. Es wird geschätzt, dass sich das Lungenkrebsrisiko bei einer Radonkonzentration von 1000 Bq/m3 gegenüber der Durchschnittskonzentration etwa verdoppelt.

Radonkonzentration in Aufenthaltsräumen, z.B. in Wohnräumen wie Wohnzimmer, Schlafzimmer, Kinderzimmer oder in anderen Räumen, in denen sich Personen nicht nur vorübergehend aufhalten, sind vor dem Hintergrund der Empfehlungen der Europäischen Kommission und der Internationalen Strahlenschutzkommission sowie der auf neueren epidemiologischen Studien basierenden Einschätzung der deutschen Strahlenschutzkommission wie folgt zu bewerten:

  In neu zu errichtenden Gebäuden sollen die Radonkonzentrationen im Jahresmittel den Planungswert von 200 Bq/m3 Luft nicht überschreiten
  in bestehenden Häusern werden für Radonkonzentrationen, die im Jahresmittel unterhalb von 200 Bq/m3 Luft liegen, Maßnahmen nicht für erforderlich gehalten
  bei Radonkonzentrationen im Bereich 200 Bq/m3 bis 400 Bq/m3 sollten in bestehenden Gebäuden unter 200 Bq/m3 liegende Werte angestrebt werden, soweit dies auf einfache Weise möglich ist
  Werden in bestehenden Häusern im Jahresmittel Radonkonzentrationen oberhalb von 400 Bq/m3 gemessen, sollten in Abhängigkeit von der Höhe der Raumluftkonzentration geeignete Maßnahmen zur dauerhaften wirksamen Verringerung der Radonbelastung ergriffen werden

Es wird empfohlen, erhöhte Radonkonzentrationen umso schneller zu senken, je höher die Werte sind. Gebäude mit Radonkonzentrationen über 1000 Bq/m3 sollten innerhalb von drei Jahren saniert werden.

Mit der Bewertung der Radonsituation eines Hauses sollten nur solche Firmen und Institutionen beauftragt werden, die einschlägige Erfahrungen aufweisen und in ein behördliches Programm zur Qualitätssicherung der Radonmessungen eingebunden sind. Das Bundesamt für Strahlenschutz, dessen Radonlabor als Kalibrierlabor des Deutschen Kalibrierdienstes akkreditiert ist, führt die Qualitätssicherungsprogramme durch.

In den meisten Regionen Deutschlands wird nach vorliegenden Erfahrungen mit einem fachgerechten Schutz gegen Bodenfeuchte beim Neubau der Planungswert von 200 Bq/m3 meist nicht überschritten. Es gibt jedoch auch Gebiete, in denen ein zusätzlicher Schutz gegen Bodenradon zu empfehlen ist.

 


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