Radioaktivität
Radon-Sanierung von Wohngebäuden
(Quelle: BfS Infoblatt 02/2002 vom 11. Februar 2002)

Radon ist ein radioaktives Edelgas. Es entsteht als Zerfallsprodukt des natürlichen Elementes Radium in fast allen Böden und Gesteinen. Radon ist besonders mobil und kann in die freie Atmosphäre austreten, aber auch in Gebäude eindringen. Dort können Radonkonzentrationen zu einem erhöhten Lungenkrebsrisiko der Bewohner führen.

Die europäische Kommission empfiehlt, den Mittelwert der Radonkonzentration in Innenräumen von Neubauten auf maximal 200 Bq/m3 zu begrenzen. In Altbauten sollen langfristig 400 Bq/m3 nicht überschritten werden (siehe lnfoblätter 01/02: Radon - ein natürliches Radionuklid und 7/00: Radon in Häusern).

Hauptursache einer erhöhten Konzentration im Gebäude ist der Eintritt des Radons aus dem Baugrund. Es kann über alle erdberührten Gebäudeflächen wie Fundamente und Kellerwände eindringen. Schadstellen, ungenügende Abdichtungen und Risse sind bevorzugte Eintrittswege für Radon. Auch Hohlräume und poröse Materialien in Wänden, die eine Verbindung zum Gebäudeuntergrund haben, begünstigen den Eintritt des Radons und seine weitere Ausbreitung innerhalb des Hauses.

Was ist zu tun?
Wird in bestehenden Wohnungen ein langfristiger Mittelwert der Radonkonzentration von 400 Bq/m3 überschritten, werden Maßnahmen zur Reduzierung der Exposition durch Radon empfohlen.
Eine ausreichende Reduzierung der Radonkonzentration kann oft schon mit einfachen, selbst durchführbaren Maßnahmen erreicht werden. Diese können sein:

 

häufiges und intensives Lüften,

Abdichtung offensichtlicher Radon - Eintrittspfade (Risse, Fugen, Rohrdurchführungen),

Änderung der Raumnutzung in Abhängigkeit von der Radonkonzentration und den Aufenthaltszeiten in den einzelnen Räumen.

 

Führen einfache Maßnahmen nicht zum Erfolg, können zur Reduzierung der Radonkonzentration weitere, fachliche Beratung erfordernde Verfahren eingesetzt werden. Diese können sein:

 

gezielte Einflussnahme auf die Druck- und Ausbreitungsverhältnisse im Gebäude (Schaffung natürlicher Lüftungsöffnungen an geeigneten Stellen),

Einsatz von Kleinventilatoren zur Über- oder Unterdruckhaltung,

Anbringen radonhemmender Beschichtungen auf Bodenplatte (Fundament) und Wände.

 

Für Wohnräume mit Radonkonzentrationen von mehreren tausend Bq/m3 ist eine Sanierung notwendig, auch wenn dazu aufwendige Maßnahmen erforderlich sind. Die Sanierung soll in einem angemessenen, von der Konzentration abhängigen Zeitrahmen erfolgen.

Der Erfolg durchgeführter Radonschutzmaßnahmen ist durch Messungen zu überprüfen.

Einer aufwendigen Gebäudesanierung sollte immer eine fachlich fundierte Situationserkundung vorangehen. Auch zur Planung der Sanierungsmaßnahmen sollte fachlicher Rat eingeholt werden. Diese Maßnahmen sollen den Eintritt des Radons in das Gebäude oder den Wohnbereich zu vermindern. Dazu können entweder die Eintrittspfade vom Untergrund in das Gebäude unterbrochen oder durch Druckdifferenzen die Ausbreitung des Radons im Gebäude gezielt beeinflusst werden. Beide Verfahren können kombiniert werden.

Zur Unterbrechung von Eintrittspfaden sind erdberührte Gebäudeflächen radonhemmend abzudichten. Anzustreben ist es, eine durchgängige radondichte Sperrschicht zu schaffen, die auch Wände einbezieht. Sie soll eine Trennung zwischen Baugrund und Gebäude - oder zumindest zwischen Untergrund und Wohnbereich - gewährleisten. Wo dies nur in begrenztem Umfang möglich oder aber technisch sehr aufwendig ist, wird die Beeinflussung der Luftdruckdifferenz zwischen Gebäudeinnerem und Untergrund als alternative oder als zusätzliche Maßnahme herangezogen.

Durch die meist wärmere Raumluft wird im Gebäude ein Luftauftrieb verursacht, der im unteren Gebäudeteil (Erdgeschoss oder Keller) zu einer Druckverminderung und damit zum Einströmen von radonhaltiger Luft führt. Um dem entgegenzuwirken, kann z. B. im Boden unter dem Gebäude oder in speziellen Hohlräumen in oder unter den Fußböden durch technische Maßnahmen ein Unterdruck aufgebaut werden, der eine geringe Strömung der Luft in Richtung Gebäudeuntergrund bewirkt. Die Ausbreitung des Radons von unten nach oben wird damit unterbunden. Bei gut luftdurchlässigem Baugrund haben sich Einzelabsaugstellen (Abb.1) oder drainageähnliche Systeme (Abb. 2) als effektive und kostengünstige Methoden in der Praxis bewährt. Abhängig vom Gebäudeaufbau kann auch ein Unter- oder Überdruck in Kellerräumen die Radonkonzentration im Wohnbereich verringern. Zur Aufrechterhaltung der erforderlichen Drücke werden kleine Ventilatoren mit geringer elektrischer Leistung eingesetzt.

Zur eingehenden Information bietet das Bundesamt für Strahlenschutz das Radon-Handbuch Deutschland an. Dieses kann über den Verlag Neue Wissenschaft GmbH, Postfach 101110, 27511 Bremerhaven bezogen werden.

Abb. 1: Sanierung durch Anlegen von Kieskavernen unter dem vorhandenen Fußboden mit Anschluss an einen Ventilator zur Unterdruckhaltung im Hohlraum unter dem Fußboden sowie im Erdreich.

 

Abb. 2: Sanierung durch neu eingebrachten Fußboden aus Beton mit Integrierter sowie durchgängiger Isolierschicht, Drainagerohrsystem in einem Kiesbett unter dem Fußboden und Unterdruckhaltung durch Ventilator

 


► Seitenanfang
 
► Radon
► Radioaktivität
► ionisierende Strahlen
► Strahlen

► Schadstoffe A - Z