Radioaktivität
Radon
Auswirkungen auf den Menschen
(Quelle: Bayerisches Staatsministerium für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz, Stand September 2004)

Untersuchungen bei größeren Bevölkerungsgruppen deuten auf einen möglichen Zusammenhang zwischen Radon-Exposition, d.h. dem Ausgesetztsein des Organismus durch Radon, und Lungenkrebsrisiko hin. Diese Erkenntnis wird durch Beobachtungen bei Bergarbeitern gestützt, bei denen das Radon einen wichtigen Risikofaktor für Lungenkrebs darstellt.

Über die Luft eingeatmetes Radongas wird zum größten Teil gleich wieder ausgeatmet. Da es chemisch nicht gebunden wird, reichert es sich auch nicht im Gewebe an. Zerfallsprodukte des Radongases lagern sich aber teilweise an der Oberfläche des Atemtraktes ab und senden von dort radioaktive Strahlung aus, die das unmittelbar umgebende Lungengewebe schädigen kann.

Durch die Strahlung kann Erbgut geschädigt und damit die Bildung von Krebszellen ausgelöst werden. Die Entwicklung zum Lungenkrebs ist ein mehrstufiger Prozess, der sich über Jahre und Jahrzehnte hinzieht. Andere Risikofaktoren wie z.B. Rauchen oder Vererbung können ebenfalls zur Erkrankung beitragen.

Nach derzeitigem Kenntnisstand wird das durch Radon verursachte Lungenkrebsrisiko folgendermaßen eingeschätzt:

Personen, die dauerhaft bei einer Radon-Konzentration von 100 Becquerel pro Kubikmeter (Bq/m³) Luft leben, haben im Vergleich zu Personen, die nie Radon ausgesetzt sind, ein um ca. 10 % höheres Risiko. Die mittlere Radon-Konzentration in Wohngebäuden in der Bundesrepublik liegt bei ca. 50 Bq/m³ Luft. Oberhalb einer Radon-Konzentration von etwa 250 Bq/m³ Luft gilt die Risikoerhöhung als gesichert (Strahlenschutzkommission 2000). Eine Überprüfung dieser Einschätzung erwartet man von einer Studie mit radonexponierten Bergarbeitern, die momentan vom Bundesamt für Strahlenschutz durchgeführt wird. Deren Ergebnisse müssen für weitere Empfehlungen zur Einschränkung des Lungenkrebsrisikos berücksichtigt werden.

Bei der Risikobetrachtung darf das Rauchen nicht außer Acht gelassen werden. Nach Angaben der Arbeitsgemeinschaft Bevölkerungsbezogener Krebsregister entfielen im Jahr 2000 in Deutschland 26,8 % der Krebstodesfälle bei Männern und 9,8 % der Krebstodesfälle bei Frauen auf Lungenkrebs. Insgesamt starben im Jahr 2000 39.000 Menschen an Lungenkrebs.

Für die meisten (bis 90 %) dieser Lungenkrebstodesfälle war Rauchen verantwortlich. Es ist aber anzunehmen, dass das Lungenkrebsrisiko durch Radon bei gleichzeitigem Rauchen erhöht wird. So treten – in absoluten Zahlen betrachtet – die meisten radonbedingten Lungenkrebsfälle bei Rauchern auf.


Radon im Trinkwasser

Radon kann im Trinkwasser, das sich aus Quell- oder Grundwasservorkommen speist, enthalten sein. Je nach den lokalen geologischen und hydrologischen Gegebenheiten und den jeweiligen Wasseraufbereitungsmethoden variieren die Radon-Konzentrationen zwischen wenigen Bq/l (Radonaktivität in Becquerel pro Liter Wasser) und Spitzenwerten über 1000 Bq/l. Hohe Radon-Konzentrationen in Bayern treten z. B. im Fichtelgebirge, Frankenwald und Bayerischen Wald auf. Radon im Wasser gelangt über die Nahrungsaufnahme in den Körper oder wird eingeatmet, nachdem es vorher durch Ausgasen aus dem Wasser freigesetzt wurde. So können z. B. während des Duschens in schlecht belüfteten Badezimmern höhere Radon-Konzentrationen auftreten.

Einen gesetzlich verbindlichen Grenzwert für Radon im Trinkwasser gibt es nicht. Die aktuelle Empfehlung der Strahlenschutzkommission (SSK) vom Dezember 2003 sieht einen Wert von 100 Bq/l für Radon im Trinkwasser vor, bei dessen Überschreitung die Durchführung von Gegenmaßnahmen geprüft werden soll. Dieser Wert entspricht etwa einer Strahlendosis von 0,4 mSv/a (Milli-Sievert pro Jahr). Zum Vergleich: Die jährliche mittlere effektive Strahlendosis durch die gesamte natürliche Radioaktivität beträgt in Deutschland ca. 2,1 mSv/a (Schwankungen innerhalb Deutschlands je nach Wohnort zwischen 1 und 4 mSv/a). Aus Untersuchungen des Bundesamtes für Strahlenschutz (BfS) lässt sich abschätzen, dass maximal 7 % der deutschen Wasserwerke den empfohlenen Wert überschreiten. Die Hälfte aller untersuchten Wasserwerke liegt unter 6 Bq/l (Medianwert) und damit deutlich unter dem Wert. Eine Reduzierung der Radon-Konzentration kann z. B. durch Belüftungsmaßnahmen in den Wasserwerken erreicht werden.

Die Strahlenbelastung durch Radon im Trinkwasser ist ein Bestandteil der natürlich bedingten Radioaktivität. Unter der Annahme, dass auch geringe Strahlendosen das Risiko von Krebserkrankungen steigern, sollte im Sinn der Gesundheitsvorsorge angestrebt werden, auch die natürlichen Faktoren der radioaktiven Belastung zu minimieren. Eine Gefährdung der Bevölkerung, auch bei hohen Radonwerten im Trinkwasser, besteht jedoch nach derzeitigem Kenntnisstand nicht.

Aufgrund der geologischen Ursachen hoher Radon-Expositionen treten bei erhöhten Werten im Wasser meist auch erhöhte Bodenluftkonzentrationen auf. Dies führt dazu, dass in den meisten Fällen die Belastung durch Radon im Wasser gegenüber der Belastung aus dem Boden nur eine sekundäre Bedeutung hat.

Für Produkte, die mit der Bezeichnung „geeignet für die Zubereitung von Säuglingsnahrung“ versehen sind, sieht die Mineral- und Tafelwasserverordnung Werte zur Begrenzung der Radioaktivität vor.


Radon für therapeutische Zwecke

Radon wird auch für therapeutische Zwecke eingesetzt. In Form von Bädern und Inhalationen im Radonstollen kommt es meist zur Linderung von schmerzhaften chronischen Beschwerden des Bewegungsapparates zum Einsatz. Allerdings handelt es sich dabei um eine spezielle Therapie, deren Wirksamkeit in Fachkreisen kontrovers diskutiert wird. Die effektiven Strahlendosen der Patienten liegen im Allgemeinen unter der natürlich bedingten jährlichen mittleren Strahlendosis (2,1 mSv/a). Die höchsten Dosen treten bei der Inhalationstherapie im Stollen bzw. Thermalstollen auf, wobei sich hier das zusätzliche Lungenkrebsrisiko bei einer 4-wöchigen Kur um ca. 0,1 % erhöht.

Unter fachärztlicher Betreuung muss im Einzelfall zwischen dem Strahlenrisiko und dem therapeutischen Nutzen der Radonbehandlung abgewogen werden. Dabei müssen die zum Teil erheblichen Risiken bzw. Nebenwirkungen, die mit einer medikamentösen Schmerztherapie verbunden sein können, berücksichtigt werden.


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