Radioaktivität
Tschernobyl - 20 Jahre danach
Warum spielte die Bauart des sowjetischen Reaktors für den Unfall eine maßgebliche Rolle?
Quelle: Bayerisches Landesamt für Umweltschutz

Der wichtigste Grund (neben anderen) ist, dass dieser Reaktortyp einen "positiven Dampfblasenkoeffizient" besitzt, was folgendes bedeutet: Fällt die Kühlung des Reaktors aus (hier: Wasser) geht die Leistung nicht zurück, sondern kann sich unter Umständen sogar erhöhen.
In westlichen Reaktoren geschieht die Moderation (siehe Kasten) der Neutronen und die Kühlung des Reaktors durch das gleiche Medium, nämlich Wasser.

In Reaktoren vom Tschernobyl-Typ geschieht die Moderation der Spaltneutronen hauptsächlich durch einen Graphitblock und weniger durch das zur Kühlung eingesetzte Wasser. Fällt die Kühlung des Reaktors aus, d. h. ist kein Wasser mehr vorhanden oder das Wasser hat sich in Dampf verwandelt, werden die Neutronen immer noch moderiert und es entstehen neue Spaltneutronen und damit geht die Reaktorleistung eben nicht zurück.

Die westlichen Reaktoren haben einen "negativen Dampfblasenkoeffizienten". Fällt die Kühlung aus, d.h. steht kein Kühlwasser (oder nur mehr Dampf) zur Verfügung, gibt es auch keine Moderation mehr und der Reaktor "bleibt stehen".

Moderation
Um eine weitere Kernspaltung auszulösen müssen die bei einer vorhergehenden Kernspaltung entstehenden Neutronen aus kernphysikalischen Gründen abgebremst (moderiert) werden. Andernfalls geht die Zahl der Kernspaltungen und damit die Leistungserzeugung sofort auf praktisch "Null" zurück.

Moderator
Geeignetes Material zur Moderation von Neutronen, z. B. Wasser, Graphit etc.

Ein Reaktor mit "positivem Dampfblasenkoeffizient" bekäme in Deutschland niemals eine atomrechtliche oder sonstige Genehmigung.
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