Radioaktivität
Tschernobyl - 20 Jahre danach
Wie wurde die erhöhte Radioaktivität in Bayern zuerst bemerkt?
Quelle: Bayerisches Landesamt für Umweltschutz

Zu schildern, wie die Behörden schließlich auf das Eintreffen der luftgetragenen Radioaktivität zuerst aufmerksam wurden hat fast anekdotenhaften Charakter:
Am 30.04.1986 wurde von allen bayerischen Kernkraftwerken und nahezu gleichzeitig im "Bayerischen Kernreaktor-Fernüberwachungssystem" KFÜ, in der Messnetzzentrale in (damals noch) München Alarm ausgelöst.
 

Bayerisches Kernreaktor-Fernüberwachungssystem (KFÜ)

Mittels des KFÜ werden alle bayerischen Kernkraftwerke und inzwischen auch der neue Forschungsreaktor FRM II rund um die Uhr fernüberwacht. Fernüberwacht bedeutet:
Es werden wichtige die Radioaktivität betreffende Messwerte (und auch andere) aus den Anlagen per Datenfernübertragung in kurzen Zeitabständen (halbstündlich) an die Messnetzzentrale in Augsburg übertragen. Werden sehr niedrig eingestellt Schwellen überschritten, wird dort Alarm ausgelöst.

Es war natürlich klar, dass es äußerst unwahrscheinlich ist wenn in allen bayerischen Kernkraftwerken und noch dazu gleichzeitig die niedrigen Alarmschwellen überschritten werden. Die Ursachen mussten also außerhalb der Anlagen liegen. Aber wie sollte das gehen?
Alle größeren Industrieanlagen, auch Kernkraftwerke, müssen mit Luft, der sogenannten "Zuluft" versorgt werden. Eine typische Menge: 250.000 Kubikmeter pro Stunde. Mit dieser Zuluft gelangte die "Tschernobyl-Radioaktivität" in die bayerischen Kernkraftwerke und löste dort an den KFÜ-Messgeräten wegen der niedrigen Schwellen Alarm aus. Andere bereits vorliegende Informationen und durchgeführte Messungen bestätigten diese Annahme und das Behörden- und sonstige Räderwerk wurde in Gang gesetzt.

Eine Folge von Tschernobyl für Bayern

Man wusste zwar durch das KFÜ relativ schnell, dass erhöhte Radioaktivität vorliegen musste, aber nur für die Kraftwerksstandorte. Aus dem übrigen Bayern lagen natürlicherweise keine "Sofort-Daten" vor. Erst durch eine aufwändige Probenahme und die anschließende Auswertung dieser Proben in einem Labor bzw. durch eine erst durchzuführende "vor-Ort-Messung" konnte man auch für andere Orte in Bayern Radioaktivitätsmessergebnisse erhalten.

Die Konsequenz:
Ab 1987 wurde mit dem Aufbau eines weiteren eigenen (hier: flächendeckenden) automatischen Radioaktivitätsmessnetzes begonnen, dem "Bayerischen Immissionsmessnetz für Radioaktivität" (IfR).

 
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