Radioaktivität
Tschernobyl - 20 Jahre danach
Aktivitätswerte in Ackerland und landwirtschaftlich erzeugten Produkten pflanzlicher Herkunft
Quelle: Bayerisches Landesamt für Umweltschutz

Abbildung 6 gibt die zeitlichen Verläufe der Jahresmittelwerte der spezifischen Cäsium-137-Aktivitäten in landwirtschaftlich erzeugten Grundnahrungsmitteln pflanzlicher Herkunft, nämlich in Getreide (Weizen, Roggen, Gerste, Hafer, Mais und Triticale) mit 3.508 Einzeluntersuchungen, in Kartoffeln mit 940 Messungen und in Frischgemüse (Wurzel-, Spross-, Frucht- und Blattgemüse mit jeweils 723, 782, 406 sowie 2.233 Auswertungen) wieder.

Abb. 6: Zeitlicher Verlauf der Kontamination von Ackerland und landwirtschaftlich erzeugten Produkten pflanzlicher Herkunft in Bayern.

Ebenfalls abgebildet ist die Kontamination von Ackerboden (2.088 Analysen). Um die Laboranalysen aller Bodenproben miteinander vergleichen zu können, musste die Beprobung bis zu einer einheitlichen Bodentiefe, die durch die Pflugschartiefe von rund 30 cm auf Ackerland vorgegeben ist, durchgeführt werden. Da Ackerböden beim Pflügen einer mechanischen Materialdurchmischung unterliegen, wurde das ursprünglich über den Luftpfad oberflächig abgelagerte Radiocäsium dadurch bis zur Pflugschartiefe eingearbeitet. Seit dem Reaktorunfall haben die Landwirte das Ackerland mehrfach gewendet, so dass von einer relativ gleichmäßigen Radiocäsiumverteilung innerhalb des bearbeiteten Bodenbereichs ausgegangen werden kann. Zum Zeitpunkt des radioaktiven Fallouts und Washouts (trockene und nasse Ablagerung) waren praktisch nur Grünbewuchs und grünes Blattgemüse in einem reifenahen Zustand auf den Weiden und Feldern. Ansonsten war der Kulturpflanzenwuchs noch gering, so dass sich nach der Deposition die Aktivitätskonzentrationen bis zur Ernte durch Auswascheffekte infolge von Niederschlägen aber auch durch den Zuwachs von Pflanzenmasse, deutlich verminderten.

Die Direktkontaminationsphase mit den unmittelbaren Depositionen auf Böden und Bewuchs dauerte wie eingangs geschildert bis Anfang Mai 1986. Nach dem Ende der Direktkontaminationsphase erfolgte die Kontamination von landwirtschaftlich erzeugten Lebensmitteln praktisch nur mehr durch den Transfer des Radiocäsiums aus dem Boden, wodurch sich in den Folgejahren eine weitere Abnahme der spezifischen Cäsium-137-Aktivitäten ergibt. Diese Abnahme wird durch den radioaktiven Zerfall und die Verlagerung in tiefere Bodenschichten außerhalb des Wurzelbereichs der Pflanzen, durch Düngung und damit Verdrängung des Radiocäsiums sowie durch die zunehmende Menge des gebundenen Radiocäsiums an Tonminerale im Boden hervorgerufen. Da die Kulturpflanzen jährlich neu angebaut und geerntet werden, erfolgt auch keine längerfristige Speicherung des Radiocäsiums in der Pflanze.

Seit 1987/1988 liegt die Radiocäsiumkontamination landwirtschaftlich erzeugter Grundnahrungsmittel pflanzlicher Herkunft im Allgemeinen unter 1 Bq/kg FM (Bq: Becquerel; FM: Frischmasse). Ackerböden weisen im Mittel heute rund 35 Bq/kg TM (TM: Trockenmasse) auf. Die landkreisbezogene räumliche Radiocäsium-Verteilung von Ackerland ist für das Jahr 2005 in Abbildung 7 dargestellt. Die Abbildungen 8 und 9 illustrieren für das Jahr 2005 die landesweite durchschnittliche Kontaminationsverteilung in Getreide und Freilandgemüse (Wurzel-, Spross-, Frucht- und Blattgemüse).

Abb. 7: Von der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) ermittelte räumliche Verteilung der mittleren Cäsium-137-Kontamination von Ackerland im Jahre 2005.

Abb. 8: Vom Bayerischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) ermittelte räumliche Verteilung der durchschnittlichen Cäsium-137-Kontamination von Getreide im Jahre 2005.

Abb. 9: Vom Bayerischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) ermittelte räumliche Verteilung der durchschnittlichen Cäsium-137-Kontamination von Freilandgemüse (Wurzel-, Spross-, Frucht- und Blattgemüse) im Jahre 2005.

Wie bereits vorne dargestellt, erfolgt die Probenahme auf den für das jeweils zu untersuchende Probenmaterial repräsentativen Flächen in Bayern.
 

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