Radioaktivität
Tschernobyl - 20 Jahre danach
Weide - Kuh - Milch - Pfad
Quelle: Bayerisches Landesamt für Umweltschutz

Im Gegensatz zu den mechanisch bearbeiteten Ackerböden unterliegt in Weideböden das ursprünglich an der Bodenoberfläche abgelagerte Radiocäsium einem natürlichen Verlagerungsprozess in tiefere Bodenschichten. Abbildung 12 präsentiert den über ganz Bayern gemittelten zeitlichen Verlauf der Cäsium-137-Gehalte in Weideböden in der oberen Bodenschicht bis zu einer Beprobungstiefe von 10 cm (Hauptwurzelzone). Darüber hinaus ist die daraus dann durch den Transfer über die Wurzel resultierende verminderte Kontamination des Weidebewuchs sowie die hierdurch wiederum hervorgerufenen Abreicherungen im Rindfleisch, in der Kuhmilch (aus Molkereien inkl. Einzelgemelken von Bauernhöfen; 16.532 Einzeluntersuchungen) und im Käse (3.698 Auswertungen), der hier stellvertretend für Milchprodukte aufgeführt wird, sichtbar gemacht.

Abb. 12: Zeitlicher Verlauf der Kontamination des Weide-Kuh-Milch-Pfads inkl. der damit einhergehenden Abreicherungen in Bayern.

Milch und Käse weisen heute im Allgemeinen Cäsium-137-Gehalte von unter 1 Bq/l bzw. 1 Bq/kg FM auf. Die mittlere räumliche Radiocäsium-Verteilung von Milch für das Jahr 2004 wird in Abbildung 13 vorgestellt.

Abb. 13: Vom Bayerischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) und der Milchwirtschaftlichen Untersuchungs- und Versuchsanstalt (MUVA) ermittelte räumliche Verteilung der Cäsium-137-Kontamination in Kuhmilch im Jahre 2004.

Die mittleren spezifischen Cäsium-137-Aktivitäten betragen heute in der Hauptwurzelzone von Weideböden etwa 120 Bq/kg TM. Die Kontamination des Weidegrases, das hier stellvertretend für Futtermittel wiedergegeben wird, betrug 1986 für den 1. Schnitt (Mai/Juni) durchschnittlich 1.100 Bq/kg TM und liegt heute unter 10 Bq/kg TM. In der Grafik der Abbildung 12 ist die relativ geringere Kontamination bei Weidegras, das erst im Sommer 1986 als 2. Schnitt (Juni/Juli) mit ca. 190 Bq/kg TM geerntet wurde deutlich zu erkennen. Abbildung 18 gibt die räumliche Verteilung der durchschnittlichen Cäsium-137-Kontamination von Weidegras im Jahre 2004 wieder.

Transferfaktor
Ein Transferfaktor gibt an, wie viel der ursprünglich in einem bestimmten Medium vorhandenen Radioaktivität nach Durchlaufen eines bestimmten Pfades schließlich in einem anderen Medium (z. B. einem Lebensmittel) noch vorhanden ist und für eine eventuelle Berechnung einer Strahlenbelastung berücksichtigt werden muss.

Beispiel:
Weide-Kuh-Milch-Pfad
Angenommen, auf einer Kuhweide wurde eine Kontamination des Grases von 10 Bq/kg (CG) durch Messung ermittelt. Wie groß ist der Radioaktivitätsgehalt CM der Milch einer Kuh, die auf dieser Weide gegrast hat ?

CM = CG x MFU x TM;

Hierbei ist MFU die täglich aufgenommene Futtermenge mit 65 kg/Tag (kg/d) und TM der Transferfaktor für den Weide-Kuh-Milch-Pfad mit 0,01 Tag/Liter (d/l). Daraus folgt:

CM = 10 Bq/kg x 65 kg/d x 0,01 d/l = 6,5 Bq/l.

Aus dem obigen vereinfachten Beispiel zeigt sich, dass aus der ursprünglich vorhandenen Kontamination des Grases von 10 Bq/kg nach Durchlaufen des Weide-Kuh-Milch-Pfades eine Kontamination der Milch von 6,5 Bq/l geworden ist.
Es gibt natürlich für alle möglichen Pfade entsprechende Transferfaktoren. Weiter würde in einem Ereignisfall möglichst die Milch selbst gemessen werden; die Transferfaktoren sind eher für theoretische Berechnungen gedacht.

Abb. 14: Von der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) ermittelte landkreisbezogene Verteilung der mittleren Cäsium-137-Kontamination von Weideböden in der oberen Bodenschicht bis zu einer Beprobungstiefe von 10 cm (Hauptwurzelzone) im Jahre 2004.

Abbildung 14 stellt die bayernweite Kontaminationsverteilung von Weideböden in der oberen Bodenschicht bis zu einer Beprobungstiefe von 10 cm im Jahre 2004 dar. Abbildung 15 gibt den gleichen Sachverhalt wieder, jedoch als Einzelwertdarstellung. Die Abbildungen 16 und 17 zeigen in Anlehnung an die vorangegangene Abbildung 15 die Cäsium-137-Gehalte in den folgenden Bodenschichten mit Beprobungstiefen von 11 cm bis 20 cm und von 21 cm bis 30 cm. Dabei sind deutlich die unterschiedlichen Radiocäsium-Konzentrationen als Folge des natürlichen Verlagerungsprozesses in die tieferen Bodenschichten zu erkennen.

Abb. 15: Von der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) erzielte Einzelmessergebnisse der Cäsium-137-Kontamination von Weideböden in der oberen Bodenschicht bis zu einer Beprobungstiefe von 10 cm (Hauptwurzelzone) im Jahre 2004.

Abb. 16: Von der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) erzielte Einzelmessergebnisse der Cäsium-137-Kontamination von Weideböden in einer Beprobungstiefe von 11 cm bis 20 cm im Jahre 2004.

Abb. 17: Von der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) erzielte Einzelmessergebnisse der Cäsium-137-Kontamination von Weideböden in einer Beprobungstiefe von 21 cm bis 30 cm im Jahre 2004.

Abb. 18: Von der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) ermittelte räumliche Verteilung der durchschnittlichen Cäsium-137-Verteilung in Weidegras im Jahre 2004.

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