Radioaktivität
Tschernobyl - 20 Jahre danach
Aktivitätswerte in Wildbret
Quelle: Bayerisches Landesamt für Umweltschutz

Die Kontaminationen der verschiedenen Wildtierarten und Wildpilze sind regional sehr unterschiedlich. Teilweise unterscheiden sich die Kontaminationen sogar innerhalb des selben Waldgebiets. Grund hierfür ist die unterschiedliche Niederschlagsverteilung Ende April 1986 und dadurch bedingt eine regional stark schwankende Kontamination des Waldbodens. Besonders im Raum südlich der Donau hatte es damals heftig geregnet, weshalb im Allgemeinen in Südbayern die Kontaminationen deutlich höher sind als in Nordbayern.

Abbildung 24 gibt den zeitlichen Verlauf der Jahresmittelwerte der spezifischen Cs 137-Aktivitäten in Haarwild wieder. Sie beruht auf insgesamt 3.182 Wildschwein-, 11.486 Reh-, 2.506 Rot/Damwild-, 520 Hirsch- und 736 Gamsprobenuntersuchungen. Deutlich zu erkennen ist die unterschiedliche Höhe der durchschnittlichen Kontamination der einzelnen Wildtierarten, die insbesondere auf die verschiedenen Äsungsgewohnheiten zurückzuführen ist.

Im Allgemeinen gilt, dass eine Kontaminationsabnahme vom Wildschwein über Reh zu Rot/Damwild festzustellen ist.

Abb. 24: Zeitlicher Verlauf der mittleren Cäsium-137-Kontamination von Wildbret in Bayern.

Es wird jedoch ausdrücklich darauf hingewiesen, dass es sich bei den hier für Waldbeeren und Wildpilzen wiedergegebenen Untersuchungen um Stichproben sowie bei Haarwild darüber hinausgehend teilweise um Proben aus besonders durch Tschernobyl hoch belasteten Regionen Bayerns handelt (mehrjährige Forschungsvorhaben des Bayerischen Umweltministeriums). Deshalb dürfen diese punktuell gewonnenen Ergebnisse nicht für ganz Bayern verallgemeinert werden. Außerdem spielen diese Produkte von ihrer Menge her für die Ernährung der Bevölkerung eine nachgeordnete Rolle.
In den Abbildungen 25 und 26 sind beispielhaft für den Zeitraum von 2000 bis 2005 die Ergebnisse von stichprobenartigen Untersuchungen für Wildschwein und Reh dargestellt.

Empfehlung des Bundesumweltministeriums aus dem Jahre 1987

Bei normalen Verzehrsgewohnheiten von Wildpilzen und Wildfleisch, die nicht zu den Grundnahrungsmitteln gehören und im Regelfall nur in relativ geringen Mengen verzehrt werden, besteht aus strahlenhygienischer Sicht keine gesundheitliche Gefährdung, stellte das Bundesumweltministerium bereits 1987 fest. Beim Genuss von einem Kilogramm Schwammerl, die mit 1.000 Becquerel Cäsium-137 pro Kilogramm kontaminiert sind, kommt es zur gleichen Strahlenbelastung wie bei einem Interkontinentalflug. Unter dem Aspekt der Vorsorge hat das Bundesumweltministerium jedoch vor dem übermäßigen Genuss dieser Lebensmittel abgeraten, da Wildpilze auch mit Schwermetallen wie Quecksilber und Cadmium angereichert sein können, die bei häufigem Verzehr zu Nierenschäden führen können.

 

Abb. 25: Vom Bayerischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) punktuell ermittelte räumliche Verteilung der Cäsium-137-Kontamination von Wildschwein in den Jahren von 2000 bis 2005.

Abb. 26:: Vom Bayerischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) punktuell ermittelte räumliche Verteilung der Cäsium-137-Kontamination von Reh in den Jahren von 2000 bis 2005.

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