Radioaktivität
Tschernobyl - 20 Jahre danach
Aktivitätswerte in Gesamtnahrung und Abschätzung der daraus resultierenden mittleren Strahlenexposition durch Ingestion für Erwachsene in Bayern
Quelle: Bayerisches Landesamt für Umweltschutz

Zur Abschätzung der internen Strahlenexposition des Menschen durch die in Lebensmitteln enthaltene Radioaktivität sind die aus der verzehrfertigen Gesamtnahrung zur Gemeinschaftsverpflegung in Kantinen und Krankenhäusern ermittelten Werte besonders geeignet. Hierbei wird die Radioaktivität der Einzellebensmittel im Verhältnis zur tatsächlich vom Menschen täglich verzehrten Menge berücksichtigt. Außerdem wird auch die Radioaktivität von solchen Lebensmitteln erfasst, die nur selten oder gar nicht untersucht werden. Die Tagesproben umfassen die insgesamt verzehrte Menge, die ein gesunder Erwachsener an einem Tag beim Frühstück, Mittagessen, Abendessen und den Zwischenmahlzeiten einschließlich der Getränke zu sich nimmt. Täglich verzehrt ein Erwachsener etwa 1,8 kg bis 2,3 kg.

In Abbildung 30 sind die Jahresmittelwerte der spezifischen Aktivitäten des für den Tschernobyl-Unfall dosisbestimmenden Cäsium-137 in der Gesamtnahrung (1) aus der Gemeinschaftsverpflegung eines Münchner Krankenhauses in Becquerel pro Kilogramm (Bq/kg) dargestellt. Zusätzlich ist die sich daraus abzuschätzende mittlere effektive Jahresdosis (2) im Gesamtkörper (Ingestionsdosis) in Mikrosievert pro Jahr (µSv/a) wiedergegeben.

Abb. 30: Vom Bayerischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) durch repräsentative wöchentliche Probenahme von verzehrfertiger Gesamtnahrung inkl. Getränken aus der Gemeinschaftsverpflegung eines Münchener Krankenhauses von 1964 bis 2005 ermittelten Aktivitätswerte von Cäsium-137 und natürlichem Kalium-40.

Deutlich erkennbar ist der Aktivitätsanstieg im Jahr 1986. Darüber hinaus sind in der Darstellung neben den Auswirkungen des Reaktorunfalls von Tschernobyl im Jahre 1986 die Folgen des weltweiten Atombombenfallouts Anfang der 60er Jahre ersichtlich. Klar festzustellen ist, dass die heutigen Werte der Cäsium-137-Ingestionsdosis von unter 2 µSv/a wieder vergleichbar ist mit der Situation vor dem Tschernobyl-Unfall von 1986. Als Orientierungshilfe zur Einschätzung der durch den Unfall von Tschernobyl resultierenden mittleren effektiven Ingestionsdosis durch inkorporiertes Cäsium-137 wird auf die ebenfalls in der Grafik abgebildete mittlere Strahlenexposition von ca. 300 µSv/a durch Ingestion des in allen Lebensmitteln enthaltenen natürlichen Kalium-40 verwiesen; demgegenüber ist die zusätzliche Ingestionsdosis mit unter 1 % vernachlässigbar klein. Dabei sind die Beiträge zur Ingestionsdosis von Nukliden aus den natürlichen Zerfallsreihen des Thoriums und Urans unberücksichtigt.

Strontium-90 wurde nicht erläutert, da dieses schwerflüchtige Nuklid beim Reaktorunfall nur in geringem Ausmaß freigesetzt wurde. Die Deposition bei uns betrug nur etwa 10 % derjenigen, die durch den weltweiten Atombombenfallout verursacht wurde.

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