Radioaktivität
Tschernobyl - 20 Jahre danach
Wie ist Bayern für die Zukunft gerüstet?
Quelle: Bayerisches Landesamt für Umweltschutz

Bayern ist in vielfältiger Weise für ein ähnliches, hoffentlich nicht mehr eintretendes Ereignis wie das von Tschernobyl gerüstet. Eine genaue Schilderung aller Vorsorgemaßnahmen und der laufenden Routine-Überwachung der Radioaktivität in Bayern würde diesen Rahmen sprengen. Deshalb können wir hier nur einen kleinen Überblick liefern. Wenn Sie es darüber hinaus genauer wissen wollen: Bitte fragen Sie uns!

IfR
Als unmittelbare Konsequenz des Reaktor-Unfalles von Tschernobyl wurde das bereits oben erwähnte „Bayerische Immissionsmessnetz für Radioaktivität (IfR)“ errichtet. Es erlaubt durch seine 28 in ganz Bayern verteilten Messstationen einen umfassenden und vor allem schnellen Überblick über die radiologische Situation im Freistaat. Selbstverständlich sind die Messwerte, die zentral nach Augsburg übertragen werden, mit sehr niedrigen Alarmschwellen versehen. Weiter ist durch eine „Rufbereitschaft rund um die Uhr“ gewährleistet, dass gegebenenfalls rasch auf einen solchen Alarm reagiert werden kann. Näheres über das IfR erfahren Sie unter www.lfu.bayern.de
Hier können Sie auch die aktuellen IfR-Messwerte abrufen.

KFÜ- Immissionsteil
Um insbesondere die Überwachung unserer eigenen Kernkraftwerke und auch des Forschungsreaktors München II in Garching noch zu intensivieren, wurde das „Bayerische Kernreaktor-Fernüberwachungssystem (KFÜ)“ um einen Immissionsteil erweitert. Mit je zwölf Sonden wird in der Umgebung der kerntechnischen Anlagen die Gamma-Dosisleistung überwacht. Bitte informieren bzw. sehen Sie sich aktuelle KFÜ-Immissionsmessdaten an.

Gamma-Dosisleistung
Eine weiteres Beispiel für eine Überwachungs- bzw. Vorsorgemaßnahme:
Das LfU ist direkt mit dem Gamma-Dosisleistungsmessnetz des Bundesamtes für Strahlenschutz (BfS, ca. 2.100 Messstellen in ganz Deutschland, derzeit ca. 400 in Bayern) verbunden.
Die Messergebnisse der wichtigsten Stationen, z. B. der um unsere Kernkraftwerke, den Forschungsreaktor und der Stationen entlang der tschechischen Grenze (KKW Temelin in der Tschechien!) kann das LfU sogar selbst abrufen und zwar in analoger Weise wie die Stationen des bayerneigenen KFÜ-Immissionsteils. Die Verteilung der Gamma-Dosisleistungsmessstationen des BfS und LfU in Bayern zeigt die nachfolgende Abbildung.

Abb.30: Gamma-Dosisleistungsmessstellen in Bayern

Eine der wichtigsten Konsequenzen aus dem Tschernobyl-Unfall, diesmal nicht nur Bayern sondern ganz Deutschland betreffend, war die Verabschiedung des „Gesetzes zum vorsorgenden Schutz der Bevölkerung gegen Strahlenbelastung (Strahlenschutzvorsorgegesetz, StrVG) im Dezember 1986. Zum erleichterten Vollzug dieses Gesetzes und zur schnelleren Informationsgewinnung im Ereignisfall wurde ein elektronischer Datenverbund geschaffen, das sog. „Integrierte Mess- und Informationssystem des Bundes (IMIS)“. Das LfU ist in das IMIS eingebunden und bildet dabei die bayerische Landeszentrale, die den Vollzug des StrVG in Bayern überwacht und steuert. Das LfU ist darüber hinaus auch eine sogenannte „Landesmessstelle“.

Genaueres über den Vollzug des StrVG in Bayern erfahren Sie unter Strahlenschutzvorsorge in Bayern

Übrigens:
Allein im Rahmen des Vollzugs des StrVG sind jährlich in Bayern rund 3.000 repräsentative Radioaktivitätsmessungen durchzuführen.

Übrigens:
Um die Auswertemöglichkeiten des (Bundes-)IMIS für spezielle bayerische Belange zu erweitern, wurde ein eigenes Datenbank-System (REA 2000) für die Verwaltung aller in Bayern anfallenden Messdaten aus der Radioaktivitätsüberwachung geschaffen. Mit Hilfe dieses Systems wurden z. B. die Bayernkarten mit den Messwerten für diesen Bericht erstellt.

Für den Katastrophenschutz, auch den sogenannten „nuklearen“, sind in Bayern das Bayerische Staatsministerium des Inneren, die Landratsämter und die Bezirksregierungen zuständig. Auch diese Institutionen haben ihre Vorkehrungen für den Ereignisfall kontinuierlich weiterentwickelt. Das LfU berät diese Behörden und erstellt Szenarien für in regelmäßigen Abständen durchzuführende Übungen.

Als Beispiel für den Internet-Auftritt einer Behörde (hier: Landratsamt Dillingen wegen KKW Gundremmingen) zum einschlägigen Thema sei folgender Link genannt:
Behördenwegweiser - Landratsamt - Zivil-, Brand- und Katastrophenschutz

LfU-Messfahrzeuge
Zum Abschluss unseres Überblicks seien noch die in Kulmbach und Augsburg für externe Einsätze vorgehaltenen Messfahrzeuge erwähnt. Diese sind mit allen notwendigen Messgeräten ausgerüstet um an einem beliebigen Einsatzort einen eventuell dort vorhandenen Radioaktivitätspegel bestimmen zu können. Es finden mit diesen Fahrzeugen regelmäßige Übungen im Umkreis unserer Kernkraftwerke und des Forschungsreaktors statt.

Abb. 31: Messfahrzeug des LfU bei einer Übung

Übrigens:
Über die Wahrscheinlichkeit eines Unfalls in einem westlichen (!!!) Kernkraftwerk können Sie sich unter anderem in folgendem Buch informieren:
Rolf Krieg, Risiken der Technik, RAABE-Fachverlag (DUZ-Edition), ISBN 3-88649-364-4, 2000

 

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