Strahlung
Solarien
Quelle: GSF-Forschungszentrum für Umwelt und Gesundheit, Umweltberatung Bayern

UV

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Vorbemerkungen

Zur Technik von Solarien
Risikofaktoren
Wirkungen der UV-Strahlung auf den Menschen
Empfehlungen
Literatur

Vorbemerkungen

Nach Schätzungen des Bundesamtes für Strahlenschutz lassen sich jährlich etwa zehn Millionen Bundesbürger regelmäßig mit Solarien oder Heimsonnen bestrahlen. Wissenschaftler warnen - ohne großen Erfolg - seit Jahren vor den Gesundheitsgefahren dieser Bestrahlung. Im folgenden sollen die Risiken der Benutzung von Bräunungsgeräten dargestellt und Verhaltensempfehlungen an Konsumenten sowie Forderungen an Betreiber zusammengefaßt werden.

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 Zur Technik von Solarien

Man unterscheidet grundsätzlich drei Typen von Bräunungsgeräten: Niederdruck- Hochdruck- und Kombigeräte. Allen gemeinsam und Kernstück eines jeden Gerätetyps ist eine Strahlungsquelle, bei Niederdruckgeräten sind dies Leuchtstoffröhren, bei Hochdruckgeräten Metallhalogenid - Strahler. Kombigeräte haben für den Gesichtsbereich Hochdruckstrahler, für den restlichen Bereich Niederdruckröhren. Gehäuse und Filter sollen vor schädlichen Strahlungsanteilen schützen.

Nach etwa 1000 Betriebsstunden, d.h. bei einem häufig genutzten Solarium oft schon nach einem Jahr, verlieren viele Geräte einen Teil ihrer Bräunungswirksamkeit, die Strahlenquellen müssen ausgetauscht werden. Auch sind die Filter regelmäßig auszutauschen, da sie ihre Wirkung mit zunehmender Betriebsdauer einbüßen und damit sogar die extrem schädliche UV-C-Strahlung durchgelassen wird.

Für den Benutzer ist eine Überprüfung dieser Technik bzw. Gerätesicherheit nicht oder nur mit sehr teuren Meßgeräten möglich. Die seit 1985 für Geräte zur kosmetischen Bräunung geltende DIN-Norm 5050 enthält Hinweise über die Sonnenbrandgefahr und den Gerätetyp, die aber auf den Geräten selbst meist nur verschlüsselt angebracht werden und damit für den Benutzer unverständlich bleiben.

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Risikofaktoren

Das Risiko einer Schädigung der menschlichen Haut durch UV-Strahlen hängt von verschiedenen Expositions- und Dispositionsfaktoren ab. So muß einerseits nach verschieden empfindlichen Hauttypen unterschieden werden, andererseits nach Dispositionsfaktoren wie einer familiären Vorbelastung bezüglich Hauterkrankungen.

Ein erhöhtes Risiko birgt auch die Neigung zu Sommersprossen und "Leberflecken". Tab. 1 beschreibt unterschiedliche Hauttypen. Lichtempfindliche Menschen haben gegenüber unempfindlichen Hauttypen ein dreifach erhöhtes Risiko, Hautkrebs zu bekommen.

 

Tab. 1: Einteilung der Hauttypen (Bundesamt für Strahlenschutz 1993)
 

Hauttyp Beschreibung Bezeichnung Reaktion auf die Sonne Bestrahlungsdauer für minimale Hautrötung
      Sonnenbrand Bräunung  
I

Abbildung

Haut: auffallende hell
Sommersprossen: stark
Haare: rötlich
Augen: blau, selten braun
Brustwarzen: sehr hell

Keltischer Typ (2%)

Nur schwer schmerzhaft

Keine Rötung
nach 1 bis 2 Tagen weiß,
Haut schält sich

5 bis 10 Minuten
II

Abbildung

Haut: etwas dunkler als I
Sommersprossen: selten
Haare: blond bis braun
Augen: blau, grün, grau
Brustwarzen: hell

Hellhäutiger Europäer (12%)

Immer schwer schmerzhaft

Kaum
Haut schält sich

10 bis 20 Minuten
III

Abbildung

Haut: hell bis hellbraun, frisch
Sommersprossen: keine
Haare: dunkelblond, braun
Augen: grau, braun
Brustwarzen: dunkler

Dunkelhäutiger Europäer (78%)

Mäßig Durchschnitt 20 bis 30 Minuten
IV

Abbildung

Haut: hellbraun, oliv
Sommersprossen: keine
Haare: dunkelbraun
Augen: dunkel
Brustwarzen: dunkel

Mittelmeerischer Typ (8%)

Kaum Schnell und tief 40 Minuten
 

Für Benutzer von Solarien besteht ein gegenüber "natürlichem" Sonnenbaden noch erhöhtes Risiko einer Gesundheitsschädigung durch UV-Strahlen: Die Sicherheit und der einwandfreie Betrieb der Geräte sind nicht immer gewährleistet, fachgerechte Beratung über Dauer und Gefahren der Anwendung fehlen häufig gerade bei Münz- oder Heimsolarien. So läßt sich ohne das Wissen über Strahlungsarten und -intensität der Geräte für den Benutzer sein individuelles Risiko nur schwer abschätzen.

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Wirkungen der UV-Strahlung auf den Menschen

Die Strahlenwirkung durch UV-Bestrahlungsgeräte unterscheidet sich grundsätzlich nicht von der Wirkung der natürlichen Sonneneinstrahlung. Es können die gleichen akuten und chronischen Schädigungen für die menschliche Gesundheit auftreten. Generell nimmt die schädigende Wirkung mit zunehmender Wellenlänge ab, das heißt bei gleicher Strahlungsintensität schädigt die langwellige UV-A-Strahlung nicht in dem Ausmaß, wie es bei UV-B-Strahlung der Fall ist, andererseits ist natürlich auch die Bräunungswirksamkeit herabgesetzt. So ergeben sich auch bei Bräunungsgeräten, die mit hohem "UV-A-Anteil" werben, oft gleiche Risiken der Schädigung, da weitaus größere Bestrahlungsstärken eingesetzt werden müssen, um eine ausreichende Pigmentierung zu erzielen. Die Argumentation, daß mit UV-A-Strahlen die Haut in Solarien vorgebräunt und damit ihr Eigenschutz für folgende Sonnenbäder erhöht werden könnte, ist aus medizinischer Sicht unsinnig:

Durch eine Hornschichtverdickung ("Lichtschwiele") kann sich die Haut zwar in gewissen Grenzen gegenüber stärkerer UV-Strahlung schützen, der Aufbau der Lichtschwiele wird jedoch nicht durch UV-A-Strahlen bewirkt. UV-A-Strahlung dringt vielmehr in tiefere Hautschichten ein als andere Wellenlängen (vgl. dazu Abb. 1), so daß sich das Risiko für chronische Hautschäden noch erhöht.

 
 

Quelle: gsf

 
Abb. 1: Eindringtiefe von UV-A- und UV-B-Strahlen in die Haut (Aus: Bundesamt für Strahlenschutz 1993)
 

Die möglichen Schädigungen durch UV-Bestrahlung reichen von akuten Wirkungen wie Sonnenbrand, Sonnenallergien, sogenannter Schneeblindheit und photoallergischen Reaktionen bis hin zu Langzeitschädigungen wie Hauttumoren, irreversiblen Augenkrankheiten und Schädigungen des Immunsystems. Details dazu können dem Informationspapier "UV-Strahlung - Wirkung auf den Menschen" entnommen werden.

Eine Kenngröße, mit der die Wirksamkeit eines Bestrahlungsgerätes angegeben wird, ist die sogenannte erythemwirksame (also sonnenbrandwirksame) Bestrahlungsstärke Eer, angegeben in der Einheit Watt pro Quadratmeter. Sie bezeichnet die Bestrahlungsstärke entsprechend der relativen spektralen biologischen Empfindlichkeit. 0,3 W/m2 sollten bei Bestrahlungsgeräten nicht überschritten werden. Zum Vergleich: Die natürliche Globalstrahlung erreicht diesen Maximalwert beispielsweise an einem Sonnentag erst bei hochstehender Sonne mit

90 Grad Sonnenhöhe. Der jeweilige Wert der erythemwirksamen Bestrahlungsstärke sollte auf einen Bräunungsgerät deutlich angebracht sein.

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Empfehlungen

Generell rät das Bundesamt für Strahlenschutz von der Nutzung von Solarien außerhalb medizinischer Anwendungen ab. Wer dennoch nicht verzichten möchte, sollte sich aber auf jeden Fall an einige wichtige Verhaltensregeln halten.

Zu ihnen gehören Empfehlungen, wie sie auch für Sonnenbäder gelten sowie zusätzliche Verhaltensweisen besonders für Bräunungsgeräte, die die Strahlenschutzkommission 1990 herausgegeben hat:

 

Auch für Betreiber von Solarien hat die Strahlenschutzkommission Empfehlungen ausgesprochen, die nachfolgend kurz aufgelistet sind:

In Ergänzung fordern heute Wissenschaftler für die Zukunft über die bisherigen Empfehlungen der Strahlenschutzkommission hinausreichende, rechtsverbindliche Vorschriften mit Kontroll- und Sanktionsmöglichkeiten. So könnte z.B. eine TÜV-Prüfung der Geräte alle zwei Jahre defekte und nicht ausreichend gekennzeichnete Geräte aus dem Verkehr ziehen und damit einen wichtigen Beitrag zum Gesundheitsschutz liefern.

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Literatur:

 

Bundesamt für Strahlenschutz (1990): Gesundheitsgefährdung durch Solarien?
- Infoblatt 4/90. - Salzgitter

Bundesamt für Strahlenschutz (1993): Sonne, Ozon, UV - Strahlenthemen
September 1993. - Salzgitter

Bundesamt für Strahlenschutz (1994): Sonnenbäder in Solarien.
- 10.Beitrag für das Bürgertelefon. Salzgitter

DIN Deutsches Institut für Normung e. V. (1992): DIN 5050 - Solarien und Heimsonnen - Meßverfahren, Typeinteilung, Kennzeichnung. - Berlin

Matthes, R. (1994): Gesundheitliche Gefahren der ultravioletten Strahlung.
- Bundesgesundheitsblatt 37. Jg., Sonderheft Okt. 94: 27-40

Strahlenschutzkommission (1990): Schutz des Menschen bei Sonnenbestrahlung und bei
Anwendung von UV-Bestrahlungsgeräten. Empfehlung der Strahlenschutzkommission
verabschiedet auf der 97. Sitzung am 27.April 1990. Bonn

Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen (1990): Hauptsache braun? - Sonne und Solarien
- die strahlende Versuchung. Düsseldorf

 

Stand: 13.03.1996

Verfasserin: Ulrike Koller


© GSF-Forschungszentrum für Umwelt und Gesundheit, Umweltberatung Bayern, Ingolstädter Landstraße 1,
D-85764 Neuherberg
und
©Bayerischen Staatsministerium für Landesentwicklung und Umweltfragen 1998
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